Petasites pyrenaicus (Petasites fragrans) // Duftende Pestwurz, Winterheliotrop
Beschreibung
Naturstandort/Herkunft von Petasites pyrenaicus (Petasites fragrans)
Die Duftende Pestwurz kommt im Mittelmeerraum von nahezu ganz Italien und Griechenland über die Mittelmeerinseln bis in die Küstengebirge Nordafrikas vor. Ob die Vorkommen in weiten Teilen Frankreichs und in Spanien urwüchsig sind, ist umstritten. Auf den Britischen Inseln ist Petasites pyrenaicus verwildert und auch in Deutschland scheint es Einzelfunde zu geben.
Das rundliche, flächige Laub der Duftenden Pestwurz ist ein Blickfang im zwischen Waldgräsern und Farnen.
In Italien steigt die Art von den frostfreien, subtropischen Küsten in den Gebirgen bis in die submontane Höhenstufe auf. Hier treten Winterverläufe auf, die mit denen im mitteleuropäischen Tiefland vergleichbar sind.
Petasites pyrenaicus ist in Frankreich eine Kennart der Mädesüßfluren an bodenfeuchten, nahrhaften Ufersäumen. Die Standorte sind (voll-)sonnig, die bestandsbildenden Hochstauden wie Eupatorium cannabinum oder Filipendula ulmaria verschatten die Duftende Pestwurz im Unterwuchs jedoch.
Oft findet man Petasites pyrenaicus auch größere Bestände bildend in frisch-nahrhaften Giersch-Säumen entlang von Waldwegen bzw. den Nordseiten von Waldrändern sowie in Erlen-Bruchwäldern.
Ökologische Zeigerwerte nach Tela Botanica
... zur Legende
Licht (5)
Temperatur (4) Kontinentalität (4) Feuchte (5) Reaktion (7) Stickstoff (6)
Die Blüte ist frostempfindlich, was in den gemäßigten Breiten im Januar/Februar keine sonderlich gute Idee ist.
Beschreibung
Petasites pyrenaicus ist eine in den gemäßigten Breiten sommergrüne Staude. Wo die Winter keine oder nur niedrige einstellige Minusgrade entwickeln, bleibt sie wintergrün.
Durch weitstreifende, unterirdische Rhizome entwickelt die Art zügig flächige Bestände.
Die kurzen, kerzenartigen Blütenstände setzen sich aus einer Vielzahl von weißlichen Einzelblüten zusammen. Sie verströmen aus der Nähe oder bei großen Beständen auch aus größerer Entfernung einen gut wahrnehmbaren. süß-lieblichen Duft. Die Blütezeit beginnt je nach Winterverlauf bereits Ende Januar.
Verwendungshinweise
Petasites pyrenaicus wird sehr selten verwendet. Man darf sie in erster Linie als Blattschmuckpflanze verstehen. Die rundlichen, mittelgroße Blattform lässt sich harmonisch mit den filigranen Blättern von kräftigen Farnen und Waldgräsern kombinieren.
Die Blätter der Duftenden Pestwurz bleiben im Vergleich zu den mächtigen Verwandten sehr lange, bis zu den ersten kräftigeren Frösten grün und ansehnlich. Auch Schnecken und andere Blattschädlinge finden kaum Gefallen, so dass auch von dieser Seite keine ästhetischen Beeinträchtigungen zu besorgen sind.
Die spätwinterliche Blüte hat zwar farblich keine Fernwirkung, ist aber dennoch ein willkommener Frühlingsgruß - allerdings nur dort, wo die Winter schon ab Ende Januar keine nennenswerten Fröste mehr aufweisen. In Massen blühend ist der betörende Duft ebenfalls ein Argument auf der Habenseite des Winterheliotrop.
Perfekte Einsatzorte sind schattige, exotisierende Waldkrautschichten, die Ufer von Waldteichen, schattige Innenhöfe und Pflanzungen an absonnigen Nordfassaden. Insbesondere in geschützten Lagen ist die Ausssicht auf einen ganzjährig attraktiven Bodendecker mit interessanter Laubstruktur verlockend.
Im Versandhandel ist Topfware mit etwas Engagement zu beziehen.
Kultur/Pflege von Petasites pyrenaicus
Petasites pyrenaicus ist in den gemäßigten Breiten nicht voll winterhart. Ohne Einschränkung geeignete Regionen sind Weinbauklimate und stark ozeanisch beeinflusste Küstenstreifen. Überall sonst sollten nur geschützte Sonderlagen z.B. in Innenhöfen der Großstädte gewählt werden.
Allerdings hilft in winterrauheren Gegenden auch eine 30 cm dicke Laubschicht gut über kürzere, auch kräftigere Frostphasen hinweg. Die eine oder andere Nacht mit -15 Grad wird so ohne Vitalitätseinbußen überstanden. Kräftige Spätfröste können dagegen am jungen Blattwerk unschöne Schäden anrichten. Auf nahrhaften, frischen bis feuchten Standorten reicht die Kraft aber meistens aus, um rasch wieder auszutreiben.
Das Laub bleibt anders als bei den meisten Pestwurzen bis zum Winter vollkommen intakt und wird kaum von Blattschädlingen heimgesucht.
Die Art bevorzugt halbschattige bis licht schattige, luftfeuchte Standorte. Pralle Mittagssonne wird hingenommen, wenn die Bodenfeuchte hoch ist. Kurzzeitiger Trockenstress führt zwar zum Erschlaffen der Blätter, sobald die Sonne nachlässt oder die Wasserzufuhr wieder stimmt, regeneriert sich das Laub aber wieder. Trotzdem ist die Art natürlich kein Sonnenanbeter.
Nahafte, basenreiche, frische bis feuchte Lehmböden erzeugen optimale Entwicklung. Auch dauerhaft nasse Standorte stellen kein Problem dar.
Will man die Art nicht rasch in der gesamten Pflanzfläche haben, muss mit einer effektiven Rhizomsperre gearbeitet werden. Früher oder später findet sie aber dann oft doch einen Weg in die Freiheit. Das ist außer in sehr kleinteiligen Pflanzungen mit zarten Stauden und Farnen keine Katastrophe, da kräftige, höhere Begleiter nicht verdrängt werden.