Sempervivum montanum // Berg-Hauswurz
Beschreibung
Naturstandort von Sempervivum montanum
Die Berg-Hauswurz kommt in einer Reihe von regionalen Unterarten in den zentralen und südlichen Alpen, den Pyrenäen, den Karpaten und in der Hohen Tatra vor. In der Schweiz ist sie im gesamten Alpenraum häufig. Im Fichtelgebirge ist sie neophytisch mit Einzelvorkommen etabliert.
Üppiger Bestand der Berg-Hauswurz auf einem Felskopf in einem Magerrasen.
Sempervivum montanum besiedelt (voll-)sonnige, aufgrund der Höhenlage dennoch kühle Felsspalten und Schotterfluren von der hochmontanen bis unteren alpinen Stufe. Die bekannteren Sempervivum arachnoideum und Sempervivum tectorum steigen nicht so hoch auf.
Sempervivum montanum ist eine Kennart der Silikatfelsgrusflur und wurzelt dabei gerne in humosen Ansammlungen der Felsen und Felsbänder. Auch im Übergang zu Borstgras-Rasen kann sie sich oftmals noch halten.
Die Rohböden sind kalk- und basenarm. Die Bodenreaktion ist schwach- bis stark sauer und die Stickstoffersorgung gering.
Die ausgesprochen flachgründigen Standorte drainieren gut bzw. haben eine geringe Wasserhaltekapazität. Trotz der regelmäßigen Niederschläge in den Gebirgslagen sind sie daher trocken bis mäßig trocken.
Ökologische Zeigerwerte nach Tela Botanica
... zur Legende
Licht (8)
Temperatur (3) Kontinentalität (4) Feuchte (2) Reaktion (2) Stickstoff (1)
Silikat-, Schiefer- und Urgesteins-Felsen der alpinen Gebirgslagen sind das Refugium von Sempervivum montanum.
Beschreibung
Sempervivum montanum ist eine immergrüne, staudige Sukkulente. Sie bildet kleine, 4-6 cm breite Rosetten aus spatelförmigen Blättchen. Diese sind dicht drüsig behaart, wirken aber insgesamt frisch bis mittel-grün. Die Blattspitzen sind meist rötlich-braun überlaufen. Die Blätter verströmen bei Berührung einen harzigen Duft.
Durch Tochterrosetten entstehen kleine Polster bis rasige Bestände.
Am Naturstandort erscheinen die sternförmigen, 2-3 cm breiten Blüten im Hochsommer, im Flachland im Frühsommer. Sie sind meist violett-rot, gelegentlich auch gelblich-weiß und stehen zu mehreren an einem 5-20 cm hohen Stengel, den die blühende Rosette durch die Verlängerung ihrer Blattinternodien bildet. Diese Rosette stirbt nach der Blüte ab.
Mit Sempervivum arachnoideum werden auch natürliche Hybride gebildet (Sempervivum barbulatum). Mitunter beteiligt sich auch noch Sempervivum alpinum zu einer komplexen Hybride (Sempervivum funckii).
Verwechslungsgefahr besteht außerhalb der Blütezeit u.a. Sempervivum globiferum. Dieser fehlen meist die roten Blattspitzen, die Rosetten verfärben sich allerdings im Winter oft leuchtend rot
.
Naturstandort in den österreichischen Alpen.
Verwendungshinweise
Sempervivum montanum wird viel seltener verwendet als die beliebte, in kaum einem Steingarten fehlende Spinnweb-Hauswurz. Das liegt sicherlich daran, dass ihr die charakteristischen "Spinnweben" fehlen und die Wirkung dadurch etwas langweiliger ist.
In den meisten Fällen gibt es daher keinen besonders guten Grund, die Berg-Hauswurz der Spinnweb-Hauswurz vorzuziehen. Natürlich ist sie trotzdem eine geeignete Option für kleine, gut einsehbare Steingärten, Felströge und Pflanzschalen, Tuffsteine oder Trockenmauern.
Im Versandhandel ist die Berg-Hauswurz mit etwas Engagement erhältlich, wobei es sich dabei nicht immer um die reine Art handeln dürfte. Als Kreuzungspartner für die unüberschaubare Zahl der Sempervivum-Hybriden sorgt sie gleichsam "undercover" für die große Bandbreite an Formen und Farben dieser Sukkulenten-Gruppe.
Estremstandort an der Grenze zur der Möglichkeiten von Gefäßpflanzen..
Kultur/Pflege von Sempervivum montanum
Sempervivum montanum ist überall vollkommen winterhart. Sie bevorzugt im Vergleich zu ihren in etwas tieferen Gebirgslagen vorkommenden Verwandten kühlere Standorte. Letztlich kann sie in Kultur aber auch im Tiefland vollsonnig verwendet werden, wenn sich keine Hitze staut.
Saure, kalkfreie Substrate sind keine zwingende Voraussetzung für eine erfolgreiche Kultur. Dennoch sollte man nicht gerade auf Kalkschotter zurückgreifen, sondern wählt lieber Blähton, Lava oder Sand.
Auf flachgründigen, regelmäßig von echtem Trockenstress heimgesuchten und sehr stickstoffarmen Sonderstandorten kommt kaum ernsthafte Konkurrenz auf. Der Betreuungsaufwand hält sich daher trotz der geringen Höhe und Lichtbedürftigkeit in Grenzen. Anspruchsloser zu kultivieren ist dennoch die Spinnweb-Hauswurz.
Die Vermehrung erfolgt am schnellsten vegetativ über die zahlreichen Tochterrosetten.
Saatgut keimt bei gleichmäßiger Feuchte und Temperaturen um 20 Grad innerhalb von zwei bis vier Wochen. Sollte nach sechs Wochen noch keine Sämlinge aufgelaufen sein,
wird am besten nach den Regeln für Kaltkeimer fortgefahren.
Sorten:
Roter Gigant: kleine, frisch-grüne Rosetten mit weinroten Blattspitzen, weinrote, vergleichsweise große Blüte
ssp. montanum: die zentrale Form mit dem größten Verbreitungsgebiet, wie beschrieben, handelsüblich
ssp. styriacum: Wildsammlung aus der Steiermark, durch stark drüsige Behaarung grau-grüne Rosetten mit weinroten Blattspitzen, weinrote Blüte, handelsüblich
var. grandiflorum: kleine, frisch-grüne Rosetten mit weinroten Blattspitzen, gelbliche, vergleichsweise große Blüte