Eucalyptus gunnii // Mostgummi-Eukalyptus
Beschreibung
Naturstandort/Herkunft von Eucalyptus gunnii
Der Mostgummi-Eukalyptus ist ein Endemit der Insel Tasmanien, die im äußersten Süden Australiens liegt. Eingebürgert ist die Art in Neuseeland, im Transkaukasus sowie in Großbritannien.
Das Klima Tasmaniens ist warm gemäßigt und vergleichbar mit dem westlichen Frankreich bis Benelux. Eucalyptus gunnii steigt in den Central Highlands Tasmaniens und den Dolerite Mountains knapp über 1.000 m Höhe auf. In diesen montanen Höhenlagen sind die Winter mit denen des westlichen Tieflandes Mitteleuropas vergleichbar.
Die Jahresniederschläge sind mit 450 bis 600 mm vergleichsweise gering und verteilen sich recht gleichmäßig über das Jahr mit einem leichten Schwerpunkt in den Wintermonaten.
Eucalyptus gunnii wird nördlich der Alpen meist in Pflanzgefäßen kultiviert. Dieses Exemplar in Berlin überwintert seit Jahren an Ort und Stelle.
Eucalyptus gunnii bildet oft lichte, savannenartige Wälder mit weit auseinanderstehenden Altbäumen. Im Unterwuchs finden sich immergrüne Hartlaubsträucher ähnlich der mitteleuropäischen Wacholderheiden oder der mediterranen Macchien.
Die Standorte sind mäßig trocken und werden durch regelmäßige Feuerereignisse geprägt. Eucalyptus gunnii bildet zum Schutz einen kräftigen, oberirdischen Wurzelhals aus, der sich von Buschfeuern nicht entzünden lässt und den Neuaustrieb aus geschützten Knospen ermöglicht.
Die Böden sind meist skelettreiche Urgesteinsböden mit geringer Basenversorgung. Auch die Stickstoffgehalte sind meist gering.
Beschreibung
Eucalyptus gunnii ist ein in warm gemäßigten Klimaten ungewöhnlich raschwüchsiger, immergrüner Baum. Er erreicht Wuchshöhen von 30 bis 37 m.
Kennzeichnend sind die auffallend türkis-blauen Blätter. Jugendliche Exemplare besitzen nahezu runde, sitzende und gegenständige Blätter. Im Alter nehmen diese eine länglich-ovale Form an und stehen wechselblättrig.
Die Blätter verströmen bei Verletzung oder beim Abbrennen einen intensiven Eukalyptusgeruch. Die ätherischen Öle werden als Antisepticum, bei rheumatischen Beschwerden und zur Inhalation bei Erkältungen verwendet.
Die kleinen, weißen Blüten im Dezember sind unscheinbar und nördlich der Alpen selten zu sehen. Die rundlichen, 5-9 mm durchmessenden Früchte werden kaum angesetzt.
Verwendungshinweise
Eucalyptus gunnii ist vermutlich der bekannteste Eukalyptus in Europa und wird als exzentrische Blattschmuckpflanze als Massenware vorrangig in Gartencentern der Baumärkte vertrieben.
Die meisten dieser beauernswerten Exemplare werden ein kurzes Sommerleben in zu kleinen Balkonkästen fristen.
Die außergewöhnliche, ganzjährig zu bewundernde Blattfärbung sollte aber Motivation sein, dauerhaftere und ernsthafte Einsatzfelder in der Gartengestaltung zu finden. In vielen Wärmeregionen nördlich der Alpen ist der Freilandeinsatz eine realistische Option.
Gute Einsatzfelder sind z.B. sonnige Innenhöfe im Zentrum der Großstädte mit mediterranen Pflanzkonzepten. Eucalyptus gunnii ist gut schnittverträglich und kann daher leicht in der gewünschten Größe gehalten werden. Interessante Partner wären hier z.B. Elaeagnus × submacrophylla,
Ficus carica, Prunus lusitanica und natürlich Olea europaea.
Im Zentrum von Großstädten wie Hamburg oder Berlin sieht man regelmäßig sogar jugendliche Kübelexemplare, die seit Jahren im Freien überwintern.
Interessant ist der Mostgummi-Eukalyptus auch als regelmäßig zurückgeschnittenes Blattschmuckelement in Staudenanlagen. Sehr ansprechend sind solche Exemplare auch in einer Matrix aus horstigen Ziergräsern. Das Zusammenspiel mit strohigen Samenständen erzeugt ein über weite Teile des Jahres attraktives Pflanzbild.
Im Versandhandel sind sogar Hochstämme mit Stammumfängen von bis zu 18-20 cm zu beziehen. Hochstämme sind natürlich eine sehr ungewöhnliche Option. Man sollte sich aufgrund der Anschaffungskosten dann aber hinsichtlich der winterlichen Bedingungen des Standortes sehr sicher sein. Ab -15 Grad wird es kritisch und Wintersonne führt häufig zu Stammrissen.
Diese Exemplare werden durch bodentiefen Rückschnitt strauchförmig gehalten und korrespndieren auf attraktive Weise mit den Samenständen von Achnatherum calamagrostis.
Kultur/Pflege von Eucalyptus gunnii
Eucalyptus gunnii dürfte ein Gewinner der Erderhitzung werden und ist die einzige in den gemäßigten Breiten für die Freilandverwendung geeignete Eukalyptusart. Ein Einsatz als Stadt- und Parkbaum zeichnet sich hier zwar noch nicht unmittelbar ab. Aber strauchförmige Exemplare werden in wärmebegünstigten, wintermilden Regionen sicherlich regelmäßig Bestandteil von Strauch- und Staudenpflanzungen werden.
Die Art stellt geringe Ansprüche an den Standort und wünscht sich in erster Linie sonnig-warme Plätze. In der Praxis sieht man aber tatsächlich sogar williges Gedeihen in licht absonnigen Lagen an Nordfassaden.
Auch hinsichtlich der Bodeneigenschaften wird ein breites Spektrum von sauren bis alkalischen, armen bis nährstoffreichen Böden aller Art toleriert. Vermutlich sind aber schwere, verdichtete Böden nicht optimal.
Ausgepflanzte, etablierte Exemplare sind gut trockenheitsverträglich. Bereits nach nur einer Vegetationsperiode kommt die Art im Zweifel ohne Bewässerung über normale, mitteleuropäische Sommer. Kübelpflanzen benötigen dagegen täglich Bewässerung.
Kübelexemplare können z.B. auf einem geschützten Südbalkon recht zuverlässig im Freien überwintern. Das gelegentliche Durchfrieren des Ballens macht erstaunlich wenig Probleme.
Will man den jugendlichen Habitus erhalten, kann man den Haupttrieb tief zurückschneiden. Mit den nachschießenden, idealerweise tiefsitzenden Neutrieben verfährt man je nach gewünschter Höhe und Volumen jährlich oder alle paar Jahre in gleicher Weise.
Im Versandhandel ist Saatgut zu beziehen. Es keimt bei gleichmäßiger Feuchte und Temperaturen um 20 Grad innerhalb von zwei Wochen willig. Sommer-Kopfstecklinge können sich bewurzeln, tun dies aber eher ungern.
Sorten:
Azura: Laub etwas stärker silbrig-blau, strauchförmig oder meist mehrstämmiger Kleinbaum mit schlanker, relativ dichter Krone, bis 10 m hoch und 2-3 m breit, gilt als die winterhärteste Form (ca. -15 Grad für ausgereiftes Holz)
Blaue Liebe: in der Jugend rundlich-ovales Laub silbrig-blau, silbrig-blaue Rinde, schwachwüchsige Strauchform, bis 1,80 m hoch und 1,50 m breit, ähnlich winterhart wie 'Azura', treibt nach Frostschäden meist aus dem Wurzelstock wieder aus
France Bleu Rengun: silbrig-blaues, auch in der Jugend bereits länglich-ovales Laub, rötlich-braune Rinde, strauchförmiger, sehr schlanker Wuchs, bis 4 m hoch und dabei nur ca. 1 m breit
Silbertropfen: Laub im Austrieb grau-grün, später silbrig-grau, rötlich-braune Rinde, meist strauchförmiger Wuchs, bis 4 m Höhe
Silverana: auch in der Jugend länglich-ovales Laub silbrig-blau, rötlich-braune Rinde, strauchförmig oder meist mehrstämmiger Kleinbaum mit relativ dichter Krone, bis 10 m hoch und 4 m breit