Calamagrostis arundinacea / Wald-Reitgras

Familie Poaceae, Süßgräser
Pflanzen pro qm 3.00
Wikipedia Calamagrostis arundinacea
Verbreitungskarte Verbreitungskarte

Beschreibung

Naturstandort von Calamagrostis arundinace: Das Wald-Reitgras ist von fast ganz Europa und Klein-Asien Mittel- über Osteuropa bis Sibirien, Zentral- und Ost-Asienvon den Tieflagen bis in montane Höhen verbreitet.

In Deutschland hat Art ihren Verbreitungsschwerpunkt zwischen Harz, Thüringer Wald und Erzgebirge. Ansonsten ist es überall nur zerstreut anzutreffen, in der westdeutschen Tiefebene fehlt sie weitgehend. In der Schweiz hat Calamagrostis arundinacea einen auffälligen Schwerpunkt im Tessin, findet sich aber vereinzelt auch in den Voralpen, im Wallis, Mittelland und Jura.



Die luftigen Blütenstände erscheinen leider erst im Früh-Herbst, bis dahin sind die Horste des Wald-Reitgrases unauffällig.

Calamagrostis arundinacea besiedelt vorrangig sonnige bis licht absonnige Stellen/Ränder von Hainsimsen-Buchen-Wäldern des Berglandes bzw. der subalpin anschließenden Tannen-Mischwälder. Darüber hinaus kommt es v.a. in den Mittelgebirgen regelmäßig in standörtlich entsprechenden Schlag- und Waldlichtungsfluren sowie in montanen Hochgrasfluren vor.

In tieferen Lagen ist sie vorrangig an lichten Stellen in frischen Auspägungen basenarmer Eichen-Hainbuchen-Wälder anzutreffen.

Die Substrate sind mäßig nahrhaft und sauer bis schwach alkalisch.

Ökologische Zeigerwerte nach ELLENBERG  ... zur Legende
Licht (6)  Temperatur (5)  Kontinentalität (4)  Feuchte (5)  Reaktion (4)  Stickstoff (5)



Mit einsetzender Herbstfärbung erreicht es seinen ästhetischen Höhepunkt.

Beschreibung: Das Wald-Reitgras ist ein sommergrünes, aufrecht wachsendes Horstgras. Es erreicht Wuchshöhen von 80 bis 100 (130) cm. Die lockeren, grünlich-alt-rosa-farbenen Blütenrispen erscheinen ab Ende August, oft aber auch erst ab Mitte September.

Die stroh-gelben Samenstände sind bis in den nächsten Frühling hinein strukturstabil und zierend.



Im herbstlichen Garten zieht es zwischen dem Rahmen aus Buchs, Lavendel und Liguster die Blicke aufsich. Der Baumstamm wird übrigens von Euonymus fortunei 'Minimus' eingegrünt.

Im Herbst ab Ende Oktober verfärbt sich das Laub ansprechend orange, bevor es in die strohhig-bräunliche Winterfärbung übergeht. Je sonniger die Standorte sind, desto früher und intensiver setzt die Herbstfärbung ein. Sehr reizvoll ist das zeitlich versetzte Verfären, sodass auffällig streifenförmige Kontraste zwischen den noch grünen und den bereits orangenen Blättern eines Horstes entstehen.

Zusammen mit dem Land-Reitgras (Calamagrostis epigejos) ist es eine der Elternarten des häufig in Staudenbeeten verwendete Garten-Reitgras (Calamagrostis x acutiflora). Nahezu unbemerkt ist es also einer der Stars der modernen Gartengestaltung. Beim Garten-Reitgras setzt der Blütenflor etwa 8 Wochen früher ein und die Samenstände sind mindestens ebenso dauerhaft.

Das ähnliche Diamant-Reitgras (Calamagrostis brachytricha) ist vom Wald-Reitgras eigentlich optisch nicht zu unterscheiden und hat auch sehr ähnliche Kulturansprüche. Es wird zunehmend als Unterart "Calamagrostis arundinacea ssp. brachytricha" angesehen.

Eine zierlichere Alternative insbesondere für kleinere Gartenräume ist das schon im Juni aufblühende, deutlich zartere Berg-Reitgras (Calamagrostis varia) mit noch winterstabileren und sehr schlanken Samenständen. Allerdings fehlt ihm die aparte Herbstfärbung, stattdessen ist es weitgehend wintergrün. In den Baumschulen gehört es nicht zum Standardprogramm.



Herrschaftliches Ambiente und Gegenlicht passt sehr gut zum Wald-Reitgras.

Verwendungshinweise: Calamagrostis arundinacea ist ein ansprechendes Horst-Gras für sonnige bis licht absonnige, frische und nicht zu stickstoffreiche Standorte. Seine aufrechten, eleganten Fruchtstände sind winterzierend. Leider sind die Samenstände windbruchanfällig, so dass mit jedem Wintermonat mehr Samenstände umknicken und gegen Winterende die Horste oft ungepflegt wirken. Zur ganzen Wahrheit gehört auch, dass das Garten-Reitgras etwa drei Monate im Jahr länger zierend ist.

Die Art ist als Bestands- und Strukturbildner dennoch sehr vielseitig einsetzbar. Sie kommt sowohl in repräsentativen Staudenpflanzungen als auch in naturhaften, wiesenartigen Unterpflanzungen lichter Baumbestände oder in nicht zu trockenen Alpinarien gut zur Geltung. In natürlichen Waldlichtungsfluren ist es gerne mit Schmalblättrigem Weidenröschen, Adlerfarn, Gewöhnlicher Goldrute oder Rotem Fingerhut vergesellschaftet.

Allerdings ist es nach dem Rückschnitt der Samenstände im März bis zum Blütenansatz ab Ende August/Anfang September unauffällig, durch das frische Grün des bogig überhängend wachsenden Laubes aber hinreichend zierend.

Wenn es als flächige Matrix eingesetzt werden soll, sollte zwischen den Horsten oder zumindest zwischen kleineren Gruppen Abstände eingehalten werden. Die Flächenstruktur ist weniger monoton, wenn die Individuen erkennbar bleiben. Alternativ oder ergänzend können in Wald-Reitgras-Flächen auch starke Elemente des gärtnerischen Willens eingebracht werden (z.B. Formschnitt-Gehölze).

In kleineren Anlagen oder in Kübeln eignet es sich auch als Solitär, wobei Auslesen des Garten-Reitgrases oder das Berg-Reitgrases wegen des früher einsetzenden Blütenflors meist die bessere Wahl hierfür sind.



Bestand zur Vollblüte Ende August. Im Vordergrund stehen Echter Salbei und Woll-Ziest.

Kultur: Auf geeigneten Standorten ist das Wald-Reitgras mit geringem Pflegeaufwand zu kultivieren. Es neigt spürbar zur Selbstaussaat, wird dabei aber nicht lästig. Die Samen keimen bei gleichmäßiger Feuchte zwischen 15 und 20 Grad zuverlässig und benötigen trotz der späten Samenreife keinen Kälteimpuls.

Auf vollsonnigen und häufiger trockenfallenden Standorten schwächelt es, hält aber durch. Basen- bzw. kalkreiche Substrate sind in Kultur dagegen gänzlich unproblematisch.

Auf sehr nahrhaften und dauerfrischen Böden leidet die Standfestigkeit. Besser sind ärmere Substrate und/oder gelegentlicher, kurzer Trockenstress.

Bilder
























Attribute

Lebensform Stauden/Gräser/Farne Blütenfarbe Blütezeit Blattfärbung
Staude
Gras
horstartig
60-100 cm Höhe
gelblich-grün
Oktober
grün
zierende Herbstfärbung
Zierwert Frucht Geniessbarkeit/Giftwirkung Duft Wasserhaushalt Lichtansprüche
zierend/strukturstark
ungiftig
unbedeutend
mäßig trocken
frisch
sommertrocken
vollsonnig
sonnig
halbschattig
absonnig
Bodenansprüche Nährstoffversorgung (N + P) Klima/Frostsicherheit Herkunft BEWERTUNGEN
mäßig kalk-/basenreich
ph-neutral
kalkarm, leicht sauer
kalkfrei, sauer
(lehmiger/humoser) Sand
durchlässiger Lehm
Lehm
humos
poröser Schotter
starker Wurzeldruck
arme Böden
mittlere Böden
reiche Böden
sehr wintermilde Lage
Normal- bis winterrauhe Lage
frostarme Lage
ausgeprägte Warmlage
luftfeuchte und/oder kühle Lagen
gemäßigte Klimate
wintermilde Lage
Warmlagen
Europa
Tiefland
Mittelgebirge (montan)
alpin
Mitteleuropa
Süd-Osteuropa
Osteuropa/Kaukasus
Hügelland (collin)
Asien
Sibirien
Zentral-Asien
befriedigend
Gering
strukturbildender Gruppen-Solitär
Gruppen-Verbands-Pflanze
strukturbildende Matrixpflanze
verträglich
Alpine Felsfluren Staudenfluren Wälder Einsatzbereich Handelsgängigkeit
Silikat
Staudenfluren frischer, nährstoffreicher Standorte
Laubwälder
Buchenwälder
Flattergrasbuchenwälder
Montane Buchenwälder
Eichenwälder
Bodensauere Eichenmischwälder
Zwergstrauchreiche Tannen-Fichtenwälder
Mediterraner Garten
Terrassen-/Balkongarten
Repräsentative Gärten
Steingarten/Alpinum
Steppenpflanzung
Waldgarten
für Pflanzgefäße geeignet
öffentliches Grün
Straßenbegleitgrün
Grünanlagen geringer Pflegestufe
Grünanlagen hoher Pflegestufe
Hauptsortiment
Belaubung Lebensbereich
sommergrün
zierende Winterstruktur
Gehölz/Wald
Alpinum
Gehölzrand/Staudenfluren