Senecio jacobaea / Jakobs-Greiskraut

Senecio_jacobaea_jakobs-greiskraut_10607801 Familie Asteraceae, Korbblütler
Pflanzen pro qm 6.00
Wikipedia Senecio jacobaea
Verbreitungskarte Verbreitungskarte

Beschreibung

Naturstandort von Senecio jacobaea

Das Jakobs-Greiskraut kommt in zwei Unterarten im gesamten gemäßigten Europa bis in den Westen Asiens vor (Karte der europäischen Verbreitung). Das Jakobs-Greiskraut tritt jedoch in den gemäßigten Klimaten weitläufig als teilweise agressiver Neophyt auf.

In Mitteleuropa und auch in Deutschland ist es nahezu flächendeckend von den Tiefebenen bis in die Montanstufe verbreitet.



Senecio jacobaea in einer extensiven Frischweide mit Achillea millefolium.

Senecio jacobaea ist als vom Vieh gemiedenes Weideunkraut eine Kennart der intensiv genutzten Fettweiden.

Das Jakobs-Greiskraut tritt aber ebenfalls häufig in basenreichen (Halb-)Trockenrasen, in Glatthaferwiesen und in ruderalen Möhren-Steinkleefluren auf. Seine standörtliche Anpassungsfähigkeit erlaubt es ihm, sich sogar in schwach sauren Volltrockenrasen zu halten.

Die Unterart "Senecio jacobaea ssp. dunensiv" wird mitunter auch nur als Varietät eingestuft. Sie besiedelt Küstendünen der Friesischen Inseln.

Das Jakobs-Greiskraut gilt als Zeiger für Standorte mit stark wechselnder Bodenfeuchtigkeit. Frische bis feuchte Phasen wechseln sich hier mit  Trockenstress ab.

Wirklich ansprüchlich ist es nur bezüglich der Lichtbedingungen. Es werden nur (voll-)sonnige Habitate toleriert.

Ökologische Zeigerwerte nach ELLENBERG (1992)   ... zur Legende
Licht (8)  Temperatur (5)  Kontinentalität (3)  Feuchte (4)  Reaktion (7)  Stickstoff (5)



Jakobs-Greiskraut am Ackerrand mit vom Trockenstress geplagtem
Wolligem Honiggras

Beschreibung

Senecio jacobaea ist eine meist zweijährige Staude. Im ersten Jahr bildet sie eine Pfahlwurzel und eine wintergrüne Rosette aus tief gelappten, oft gekräuselt wirkenden Blättern. Diese haben - v.a. auf guten Standorten - oftmals einen deutlichen Blaustich im dunklen Grün.

Im zweiten Jahr erhebt sich ein vielblütiger, schirmartiger Blütenstand, der sichab  Anfang/Mitte Juli bis weit in den August hinein in voller Entfaltung zeigt. Die kleinen Körbchenblüten haben leuchtend gelbe Zungenblüten und dottergelbe Röhrenblüten. Dem Dünen-Jakobs-Greiskraut fehlen die äußeren Zungenblüten.

Die Blühwilligkeit des Jakobs-Greiskrauts sucht unter den Wildkräutern ihresgleichen:



Alle Greiskräuter enthalten zur Abwehr von Fraßfeinden Bitter- und Giftstoffe. Senecio jacobaea erreicht hier besonders hohe Konzentrationen. Auf der Weide wird es wegen seiner Bitterstoffe vom Vieh meist gemieden bzw. im Rosettenstadium nur bei Futterknappheit genommen. Getrocknet im Heu verliert es jedoch die Bitterkeit. Schleichende Vergiftungen mit tödlichem Leberversagen sind die Folge.

V.a. Pferde reagieren empfindlich, Rinder etwas weniger. Schafe und Ziegen müssen über einen langen Zeitraum größere Mengen zu sich nehmen, um letale Schäden davonzutragen. Auffälligerweise wird selbst die Blüte von Senecio jacobaea auch von Insekten völlig gemieden.

Die wissenschaftliche Zuordnung zur Gattung Senecio ist fraglich, womöglich ist "Jacobaea vulgaris" die korrekte Namensgebung.



Unter Kulturbedingungen entstehen oft üppig-buschige Exemplare. Hier steht eines in einem etwas zu nahrhaften Trockenrasen mit Reiher-Federgras, Karthäuser Nelke und Oregano.


Verwendungshinweise

Mit der Verwendung von Senecio jacobaea macht man sich bei kenntnisreichen Zeitgenossen nicht unbedingt beliebt. Und zumindest in ländlichen Regionen mit Kontakt zu Wiesen und Weiden sollte man auf seinen bewussten Einsatz vielleicht auch besser verzichten.

Andererseits ist das Jakobs-Greiskraut eine schöne Wildart mit ausgedehnter Blütenphase und interessanter Laubstruktur. Sie passt eigentlich sehr gut in naturhafte Staudenbeete, Steppen- und Kiesgärten und benötigt (sehr) wenig Aufmerksamkeit.

In urbanen Räumen ist eine Verwendung in Privatgärten daher nicht gänzlich abwegig. Sie ist hier mit dem interessanten, etwas blaustichigem Laub schon vor der Blüte ansprechend.

Im Handel beziehen kann man aber weder Topfballen noch Saatgut.



In einem vom Glatthafer dominierten Saum zusammen mit Gemeiner Wegwarte

Kultur

Auf relativ nahrhaften Substraten entwickelt sich die Art sehr üppig buschig und kann durchaus 120 bis 150 cm hoch werden. Hat sich ein Sämling erst einmal etabliert, lässt er sich in sonnigen Lagen auch auf nahrhaften Standorten nicht mehr von Konkurrenzstauden verdrängen.

Durch das tiefreichende Wurzelwerk stellen sommerliche Trockenphasen kein Problem dar, auch nicht auf den bevorzugten leichten, skelettreich-durchlässigen Substraten. In Kombination mit stickstoffarmen Verhältnissen entstehen dann aber nur noch Miniaturausgaben, die aber in ihrer Blühwilligkeit nicht nachstehen.

Die Samenstände sollten zurückgeschnitten werden, auch wenn sich noch eine ganze Reihe von Blütenknospen im Blütenstand finden. Die Samenstände werden nach dem endgültigen Verblühen ohnehin eher unansehnlich.

Soweit ausreichend freie Bodenstellen vorhanden sind, entwickeln sich trotzdem ausreichend neue Sämlinge. Standorttreue ist dabei natürlich nicht die Stärke einer zweijährigen Pflanze.

Bilder





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Attribute

Lebensform Stauden/Gräser/Farne Blütenfarbe Blütezeit Blattfärbung
zweijährig
Blütenstauden/-Kräuter
horstartig
60-100 cm Höhe
100-150 cm Höhe
gelb
Juli
grün
dunkel-grün
blau-grün
Wasserhaushalt Lichtansprüche Bodenansprüche Nährstoffversorgung (N + P) Klima/Frostsicherheit
trocken
mäßig trocken
frisch
wechselfeucht
sommertrocken
vollsonnig
sonnig
stark kalk-/basenreich
mäßig kalk-/basenreich
ph-neutral
kalkarm, leicht sauer
kalkfrei, sauer
(lehmiger/humoser) Sand
durchlässiger Lehm
Lehm
humos
poröser Schotter
kalk-/basenreich
arme Böden
mittlere Böden
reiche Böden
sehr wintermilde Lage
Normal- bis winterrauhe Lage
ausgeprägte Warmlage
hitzeanfällige Lage
gemäßigte Klimate
wintermilde Lage
Warmlagen
Herkunft BEWERTUNGEN Wiesen Trockenrasen Staudenfluren
Europa
Tiefland
Mittelgebirge (montan)
Nordeuropa
Mitteleuropa
Süd-Osteuropa
Osteuropa/Kaukasus
Hügelland (collin)
Asien
Zentral-Asien
in Sonderfällen
Mittel
Gruppen-Verbands-Pflanze
verträglich
Frischwiesen
Sandtrockenrasen
Steppenrasen
Bodensaure Borstgrasrasen
Strand-Dünen
Staudenfluren frischer, nährstoffreicher Standorte
Staudenfluren trockenwarmer Standorte
Zwergstrauchheiden und Nadelgebüsche Gebüsche Einsatzbereich Handelsgängigkeit Lebensbereich
Besenginsterheiden
Wacholdergebüsche
Wärmeliebende Trocken-Gebüsche
Schlehen-Gebüsche
Ländlicher Garten
Repräsentative Gärten
Steppenpflanzung
Rabatte
Insektenweide
Wiese/Prärie
Raritäten/Saatgut
Alpinum
Wiesen
Felssteppen
Steppen
Gehölzrand/Staudenfluren