Angelica sylvestris // Wilde Engelwurz, Wilde Brustwurz

Familie Apiaceae, Doldengewächse
Pflanzen pro qm 3.00
Wikipedia Angelica sylvestris
Verbreitungskarte Verbreitungskarte

Beschreibung

Naturstandort von Angelica sylvestris: Die Wilde Engelwurz ist in ganz Europa verbreitet und stellenweise auch häufig. Nach Osten reichen die Vorkommen über die Türkei, den Kaukasus und Zentral-Asien bis nach Sibirien (Karte der Gesamtverbreitung). Sie kommt von den Tiefebenen bis in hochmontane Lagen vor.

In Deutschland ist Angelica sylvestris in allen Naturräumen flächendeckend vertreten und mehr oder weniger häufig.



Im Groß-Seggen-Röhricht mit Echter Mädesüß und Blut-Weiderich

Die hinsichtlich der meisten Standortparameter sehr anpassungsfähige Art besiedelt eine Vielzahl mehr oder weniger sonniger, feuchter bis nasser Pflanzengesellschaften. Sie gilt dennoch als Kennart der Pfeifengras-Wiesen.

Daneben tritt die Wilde Engelwurz aber auch zuverlässig in nassen Hochstaudenfluren, Feucht- und Nasswiesen, nitrophile  Giersch-Saumgesellschaften und lichte Stellen in Auwäldern.

Ökologische Zeigerwerte nach ELLENBERG (1992)  ... zur Legende
Licht (7)  Temperatur (-)  Kontinentalität (4)  Feuchte (8)  Reaktion (-)  Stickstoff (-)



Angelica sylvestris an einem Tiefland-Bach der Holsteinischen Geest

Beschreibung: Angelica sylvestris ist eine monocarpe, d.h. nach der ersten Blüte absterbende Staude. In der Regel blüht sie bereits im zweiten Standjahr. Unter ungünstigeren Bedingungen muss sie aber auch zwei oder drei Jahre Kraft für den eindrucksvollen Blütenstand sammeln.

Der Blütenstand mit dem manchmal purpur-rot überlaufenen oder gestreiften Blütenstengeln erscheint ab Mitte Juni bis Mitte August. Kräftige Exemplare erreichen Wuchshöhen von 160 bis 180 cm. Auf stickstoffarmen Böden bleibt sie mit manchmal weniger als 60 cm Höhe deutlich zierlicher.

Die weißen, nicht selten auch zart-rosa Blüten stehen in Doppeldolden deutlich über dem Laub. Die kleinen einzelblüten produzieren reichlich Nektar, der offen dargeboten wird und so auch für kurzrüsselige Insekten wie Fliegen erreichbar ist. Entsprechend reich und vielfältig ist der Insektenanflug.

Die Samenstände sind bis in den Frühwinter hinein strukturstabil und durchaus ansehnlich.



Am Wasserrand mit Gilb- und Blut-Weiderich.

Die Laubblätter sind zwei- bis dreifach gefiedert und kräftig grün. Die unteren Blätter können auf nahrhaften Standorten gut 50 cm Länge erreichen.

Die zweite in Mittelueropa heimische Engelwurz-Art ist Angelica archangelica. Sie ist insgesamt kräftiger und unterscheidet sich v.a. durch den grünlich-gelben Blütenflor.

Auch Angelica sylvestris lässt sich vielfältig in der Küche verwenden. Die Wurzeln werden für die Aromatisierung von Likören verwendet und junge Blätter und Stiele können als Salatbeilagen oder Gemüseeinlage in Suppen eingesetzt werden. Sie werden zudem kandiert zu Süßspeisen verarbeitet. Getrocknetes und pulverisiertes Kraut entfaltet Würzkraft.

Aus Wurzeln und Rhizomen werden ätherische Öle gewonnen, deren Wirksamkeit bei Beschwerden der Magen-Darm-Muskulatur anerkannt ist. Der volkstümliche Einsatz u.a. bei rheumatischen Beschwerden und Erkrankungen der Atemwege ist wissenschaftlich nicht belegt.



Angelica sylvestris entwickelt ansehnliche Samenstände

Verwendungshinweise: Angelica sylvestris wird in der Regel in Auslesen mit auffällig purpur-roten Blütenstielen und mehr oder weniger erkennbar rötlich überlaufenen Blättern kultiviert. Das ist in den meisten Fällen auch richtig so, selbst wenn die Wildform schon eine bemerkenswerte Erscheinung ist.

Durch die Kurzlebigkeit ist sie nicht sonderlich standorttreu, im Verbund mit ihrer Fähigkeit, sich meist zuverlässig selbst zu versamen, bringt sie dafür eine interessante Dynamik in die Pflanzflächen.

Stimmig ist sie v.a. in naturhaften Feucht- oder Nassfluren auf nahrhaften Substraten. Das gilt sogar für die rötlichen Auslesen. Gartenwürdige Partner in Hochstaudenfluren von Naturstandorten sind insbsondere Gelbe Wiesenraute, Echte Mädesüß, Sumpf-Wolfsmilch oder Echter Baldrian.

Alternativ bietet sich die Rote Engelwurz (Angelica gigas) zur Verwendung an. Mit ihren meist purpur-roten Blütenstengeln und Blüten ist sie die noch etwas auffälligere Erscheinung. Allerdings ist sie in der Kulturführung auch anspruchsvoller. Hochwüchsiger ist die ansonsten ähnliche Angelica dahurica aus Ost-Asien.

Im Kräutergarten ist die Wilde Engelwurz ebenfalls weder unter Zier- noch echten Nutzaspekten fehl am Platze.



'Vicar`s Mead' mit dunkel-rötlichen Blattstielen ist die Standard-Kulturform.

Kultur: Angelica sylvestris benötigt durch die Kurzlebigkeit ein wenig mehr Aufmerksamkeit, als man dies bei einer derart kräftigen Pflanze vielleicht auf den ersten Blick erwarten würde. In der Regel gelingt es ihr zwar, sich ohne weitere Hilfsmaßnahmen in feuchten bis nassen Pflanzflächen zuverlässig zu versamen. Allerdings kann ein trockenes Frühjahr eine kleine Garten-Population schon an den Rand des "Aussterbens" bringen.

Ansonsten wird außer ausreichend Licht und Wasser nichts weiter verlangt. In Kultur werden sogar nur frische Standorte toleriert, solange jeder Trockenstress vermieden wird. 

An die Bodeneigenschaften werden keine unverhandelbaren Ansprüche gestellt, ideal sind aber humos-lehmige Substrate mit guter Wasserhaltefähigkeit. Je nahrhafter die Böden sind, desto kräftiger entwickelte Exemplare darf man erwarten. Je ärmer die Bedingungen werden, desto zierlicher bleiben die Pflanzen, ohne jedoch kümmerlich zu wirken.

Im Nutzgarten mit realen Verzehrabsichten kann man die Lebensdauer der Exemplare deutlich verlängern, wenn man den Blütenansatz frühzeitigst ausschneidet.

Samen fallen schon kurz nach der Reife in eine Keimruhe, die nur schwer zu brechen ist. Sie müssen aufwändig durch Vorquellen, eine nachfolgende vierwöchige Kaltlagerung bei 5-7 Grad sowie eine kurze Trockenphase vor der Aussaat reaktiviert werden. Alternativ kann das Saatgut im Keimbett einem Temperaturwechselregime von Tagestemperaturen von 30 Grad und Nachttemperaturen von 20 Grad unterzogen werden.

Sorten:
  • Vicar's Mead: Auslese mit tief purpurroten Stengeln, rosa Blüten und im frischen Zustand purpurroten Samen, im Austrieb bräunlich-rotes Laub, später vergrünend (Handelsstandard)
  • Bilder






























    Attribute

    Lebensform Stauden/Gräser/Farne Blütenfarbe Blütezeit Blattfärbung
    zweijährig
    Blütenstauden/-Kräuter
    horstartig
    60-100 cm Höhe
    100-150 cm Höhe
    weiß
    rosa
    rosé-weiß
    Juli
    grün
    rötlich
    bräunlich
    Zierwert Frucht Geniessbarkeit/Giftwirkung Duft Wasserhaushalt Lichtansprüche
    zierend/strukturstark
    ungiftig
    essbar
    unbedeutend
    frisch
    nass
    feucht
    vollsonnig
    sonnig
    halbschattig
    Bodenansprüche Nährstoffversorgung (N + P) Klima/Frostsicherheit Herkunft BEWERTUNGEN
    stark kalk-/basenreich
    mäßig kalk-/basenreich
    ph-neutral
    kalkarm, leicht sauer
    kalkfrei, sauer
    (lehmiger/humoser) Sand
    durchlässiger Lehm
    Lehm
    Ton
    humos
    organische Böden
    poröser Schotter
    kalk-/basenreich
    arme Böden
    mittlere Böden
    reiche Böden
    sehr reiche Böden
    sehr wintermilde Lage
    Normal- bis winterrauhe Lage
    frostarme Lage
    ausgeprägte Warmlage
    luftfeuchte und/oder kühle Lagen
    gemäßigte Klimate
    subtropische Klimate
    wintermilde Lage
    Warmlagen
    Europa
    Tiefland
    Mittelgebirge (montan)
    Nordeuropa
    Mitteleuropa
    Südeuropa
    Süd-Osteuropa
    Osteuropa/Kaukasus
    Hügelland (collin)
    Ostasien/China/Mandschurei
    Sibirien
    Zentral-Asien
    Kleinasien
    gut
    Mittel
    strukturbildender Solitär
    strukturbildender Gruppen-Solitär
    verträglich
    Gewässer/Gewässerrand Moore und Sümpfe Wiesen Gebüsche Wälder
    Stillgewässer
    Kalkreich
    Oligotroph
    Mesotroph
    Nährstoffreich
    Fliessgewässer
    Quellfluren
    Bäche
    Flüsse
    Niedermoore
    Großröhrichte
    Großseggenriede
    Kleinseggenriede
    Nasswiesen
    Feuchtwiesen
    Feuchtgebüsche
    Feuchtwälder
    Erlenbruchwälder
    Auwälder
    Einsatzbereich Handelsgängigkeit Belaubung Lebensbereich
    Ländlicher Garten
    Repräsentative Gärten
    Wassergarten
    Klostergarten
    Insektenweide
    Wiese/Prärie
    Hauptsortiment
    sommergrün
    Wasserrand/Sumpf
    Wiesen
    Gehölzrand/Staudenfluren