Geum reptans // Kriech-Nelkenwurz, Gletscher-Petersbart

Familie Rosacea, Rosengewächse
Pflanzen pro qm 6.00
Wikipedia Geum reptans
Verbreitungskarte Verbreitungskarte

Beschreibung

Naturstandort von Geum reptans: Die Kriech-Nelkenwurz ist in den Alpen, der Hohen Tatra und dem östlichen Teil des Balkans bis Griechenland verbreitet.

In den Bayerischen Alpen kommt Geum reptans nur in den Allgäuer Hochalpen zwischen Oberstorf und der Grenze zu Österreich vor. In der Schweiz ist sie dagegen im Gesamten Alpenraum mehr oder weniger häufig.



Die grandiosen Samenstände sind das Markenzeichen des Gletscher-Petersbarts

Die Kriech-Nelkenwurz besiedelt hochmontane bis alpine Geröll- und Schotterfluren sowie Felsspalten-Habitate auf ausgesprochen sauer verwitternden Gesteinen. Sie steigt sogar bis an die nivale Stufe heran und ist oft im Kontakt mit Schneetälchen-Gesellschaften anzutreffen.

Geum reptans ist eine Kennart der Alpen-Säuerlingsflur, die sich auf leicht bewegtem, dauerhaft frischen bis sickerfeuchten Grob- und Feinschutt einstellt. Die humusarmen bis humusfreien Substrate sind ausgesprochen nährstoffarm.

Gehölze vermögen die Standorte nicht zu besiedeln, so dass sie vollsonnig bis sonnig sind. Dennoch sind die Standorte ganzjährig ausgesprochen kühl. In den Senken verbleiben in der Regel selbst im Hochsommer noch Schneereste.

Ökologische Zeigerwerte nach ELLENBERG  ... zur Legende
Licht (9)  Temperatur (1)  Kontinentalität (4)  Feuchte (5)  Reaktion (2)  Stickstoff (2)

Beschreibung: Geum reptans ist eine wintergrüne Staude und erreicht Wuchshöhen zwischen 10 und 25 cm.

Sie bildet sehr lange Ausläufer und kann dadurch unter günstigen Bedingungen teppichartige Bestände aufbauen. Als sogenannter "Schuttwanderer" ist die Art mit Hilfe der Ausläufer zudem in der Lage, Überschotterung zu durchwachsen.

Die gelben Blüten erscheinen je nach Höhenlage zwischen Juni und Anfang August. Die Samenstände sind sehr auffällige Schöpfe aus fleischfarbenen Fiedern.

Ähnlich und leichter erhältlich ist die Berg-Nelkenwurz (Geum montanum). Diese wächst allerdings horstig und die ebenfalls schönen Samenstände sind nicht ganz so extravagant.

Verwendungshinweise: Die Kriech-Nelkenwurz ist nur sehr selten im Handel, da sie im Flachland wenig vital ist und hohe Anforderungen an die Kultur stellt. Außerdem muss man bei der Pflanzung mit hohen Verlustraten rechnen.

In naturhaften Alpinarien in feucht-kühlen Regionen stellt die Art aber eine sehr schöne Option dar. Die ungewöhnlichen Samenstände sind dabei der eigentliche Zierwert, noch vor den großen, gelben Blüten.

Ihre natürliche Begleitvegetation ist ebenfalls selten im Handel und insgesamt auch nicht wirklich gartenwürdig. Am bekanntesten ist vermutlich noch der ebenfalls heikel zu kultivierende Gletscher Hahnenfuß (Ranunculus glacialis).



Auf lockerem Schotter am kalten Rand der Schneetälchen fühlt sich die Kriech-Nelkenwurz wohl.

Kultur: Die Kultur ist wie bei so manchen der hochalpinen Extremisten ziemlich erschwert, da die erforderlichen (voll-)sonnige Lagen im Flachland hitzeanfällig sind und der Kriech-Nelkenwurz überhaupt nicht behagen.

Zudem ist sie auf mehr oder weniger stickstoffreichen Substraten nicht hinreichend konkurrenzfähig und Trockenstress muss ebenfalls vermieden werden. Dies ist insofern schwierig, da nur in nahezu humus- und feinerdefreien Schotter befriedigende Wuchsergebnisse erzielt werden können.

Wo die Gartenbedingungen nicht dem Naturstandort ähneln, ist eine Kultur daher ein Unterfangen, dass man nur Spezialisten anvertrauen sollte.



Das alpine Klima zwingt das Leben in die schützenden Nischen der Felsen.

Bilder









Attribute

Lebensform Stauden/Gräser/Farne Blütenfarbe Blütezeit Blattfärbung
Staude
Blütenstauden/-Kräuter
bodendeckend
bis 15 cm Höhe
gelb
Juni
grün
Zierwert Frucht Geniessbarkeit/Giftwirkung Duft Wasserhaushalt Lichtansprüche
zierend/strukturstark
ungiftig
unbedeutend
frisch
wechselfeucht
feucht
vollsonnig
sonnig
Bodenansprüche Nährstoffversorgung (N + P) Klima/Frostsicherheit Herkunft BEWERTUNGEN
mäßig kalk-/basenreich
ph-neutral
kalkarm, leicht sauer
kalkfrei, sauer
(lehmiger/humoser) Sand
durchlässiger Lehm
poröser Schotter
keine Bodenverdichtung
stark sauer
sehr arme Böden
arme Böden
Normal- bis winterrauhe Lage
luftfeuchte und/oder kühle Lagen
gemäßigte Klimate
wintermilde Lage
Europa
alpin
Mitteleuropa
Süd-Osteuropa
gut
Sehr hoch
aspektbildender Flächenfüller
Alpine Felsfluren Einsatzbereich Handelsgängigkeit Belaubung
Silikat
Repräsentative Gärten
Steingarten/Alpinum
Raritäten/Saatgut
zierende Winterstruktur
winter-/immergrün