Foeniculum vulgare // Fenchel

Familie Apiaceae, Doldengewächse
Pflanzen pro qm 4.00
Wikipedia Foeniculum vulgare
Verbreitungskarte Verbreitungskarte

Beschreibung

Naturstandort von Foeniculum vulgare: Der Fenchel stammt ursprünglich aus Süd-Europa und dem süd-westlichen Asien. Er wird aber auch in Mitteleuropa seit dem Frühmittelalter kultiviert, so dass das natürliche Verbreitungsgebiet nicht mehr zu rekonstruieren ist.

Der gesamte Mittelmeerraum gilt aber als natürliches oder zumindest archeophytisches Herkunftsgebiet. Man sieht ihn hier sehr häufig in sonnigen, sommertrockenen Ruderalfluren.

In ganz Mitteleuropa von den Britischen Inseln bis in die Ukraine, in weiten Teilen Asiens und Südamerikas, in Teilen der USA sowie im östlichen Afrika bestehen neophytische Populationen.



Wildform im mediterranen Kräuterbeet

In Deutschland gilt Foeniculum vulgare ebenfalls als neophytisch eingebürgert. Sie kommt mehr oder weniger unbeständig und meist an menschliche Siedlungen oder Verkehrswege gebunden in den mittel- und süddeutschen Wärmegebieten sowie in den großstädtischen Wärmeinseln von Berlin und Hamburg vor. In der Schweiz ist er stetig im Mittelland, Wallis und Tessin anzutreffen.

In Mitteleuropa tritt der Fenchel in wärmebegünstigten, mäßig trockenen, immer aber sommertrockenen Ruderalfluren wie Eselsdistel-Fluren oder in kurzlebigen, häufig gestörten Weg-Rauken-Fluren sowie in gestörten Trocken- und Queckenrasen auf.

Die Standorte sind (voll-)sonnige, skelettreich-durchlässige Lehm- und Schotterböden mit hoher Stickstoffversorgung. Gegenüber der Bodenreaktion ist er tolerant bevorzugt aber alkalische Substrate.

Ökologische Zeigerwerte nach Tela Botanica  ... zur Legende
Licht (7)  Temperatur (7)  Kontinentalität (3)  Feuchte (3)  Reaktion (8)  Stickstoff (8)



'Rubrum' mit Dipsacus fullonum und Agastache foeniculum

Beschreibung: Foeniculum vulgare ist eine in Mitteleuropa sommergrüne Staude von 40 cm Höhe auf armen und über 200 cm Höhe auf nahrhaften Böden. Sie wächst streng horstig, kann auf konkurrenzarmen Standorten aber durch reichliche Versamung größere Bestände aufbauen.

Sie gilt als nicht sonderlich langlebig, ist in der Regel aber über viele Jahre vital und ansehnlich.

Die gelben Doldenblüten erscheinen ausdauernd von Mitte Juli bis Anfang September. Die Samenstände sind zwar noch eine Weile strukturstabil, eine echte Zierwirkung werden ihr aber nur progressive Betrachter zugestehen. In jedem Falle gibt es unter den Doldenblütlern Vertreter mit wesentlich eindrucksvolleren Wintersilhouetten.



'Rubrum' mit ausgeprägt bronzefarbenem Laub in einer naturalistischen Staudenflur

Das charakteristisch fein gefiederte Laub ist bläulich-grün. Im Herbst treibt der Fenchel neue Blätter und Kurztriebe an den alten Blütenstengeln. Dies ist eine Anpassung an die sommtertrockenen, aber weitgehend frostfreien Standorte in den subtropischen Herkunftsgebieten und nutzt die herbstlichen Niederschläge. In Mitteleuropa erfriert alles Oberirdische mit den ersten ernsthaften Frösten.

Verwendungshinweise: Fenchel ist eine gute Wahl für steppenartige Anlagen, mediterrane Gärten und sonnig-warme Staudensäume aller Art. Die Samenstände halten sich zwar bis in den Frühwinter, sind aber nicht übermäßig ansehnlich. Stören tun sie allerdings auch nicht weiter.

Die feine Textur des Fenchels fügt sich dagegen unaufdringlich und auflockernd ein. Die rotbraun-laubige Standard-Auslese "Rubrum" bringt dezente Kontraste z.B. in silbrige Trocken-Staudenbeete.



Die Vielfalt der Insektengäste ist eindrucksvoll.

Sehr schön macht sich Fenchel auch in ruderalen Staudenanlagen. Gute Partner sind hier z.B. Herzgespann (Leonurus cardiaca), Eselsdistel (Onopordum acanthium), Echter Alant (Inula helenium), Großblütige Königskerze (Verbascum densiflorum) oder Strauchpappel (Lavatera thuringiaca).

Die verschiedenen Gewürz- und Gemüseformen sind wichtige Elemente von Kräuter-, Bauern und Gemüsegärten. Hier werden sie in der Regel einjährig kultiviert.

In großflächigen Neuanlagen kann man gut erwägen, den Fenchel als Saatgut einzubringen, um Kosten zu sparen. Die Keimrate ist in den meisten Jahren hoch bis sehr hoch und selbst Frühjahrskeimlinge zeigen schon im ersten Sommer üpppigen Blütenfor.



Hier hebt sich 'Rubrum' schön vor der dunklen Fassade ab. Die Kombination mit Banater Kugeldistel, Wermut und Garten-Feinstrahl könnte man so ähnlich auch in natura vorfinden.

Kultur: Auf wärmebegünstigten, sonnigen Standorten ist der Fenchel sehr durchsetzungsfähig und benötigt prktisch keine Aufmerksamkeit. Die Jungpflanzen entwickeln sich zügig und erreichen auf allen einigermaßen günstigen Standorten schon im ersten Standjahr Wuchshöhen von 100 bis 160 cm und blühen meistens auch schon.

Foeniculum vulgare entwickelt sich - für eine mediterrane Pflanze etwas überraschend -  auf schweren Lehmböden hervorragend und kann hier gigantische Ausmaße annehmen. Auch die über Winter auf solchen Böden oft feuchten Bedingungen mindern die Winterhärte nicht erkennbar.

Dagegen zeitigen echte Trockenstressstandorte nur kümmerliche Exemplare und früher oder später fällt die Art hier oft sogar aus. Auch direkter Wurzeldruck von Großgehölzen wird nicht goutiert.

Bei der rötlich-bräunlichen Auslese Rubrum treten immer wieder auch Sämlinge auf, bei denen sich der Farbton abgeschwächt hat oder sogar in die Wildform zurückschlägt. Will man das verhindern, muss man Sämlinge entsprechend selektieren. Dazu hat man ausreichend Gelegenheit, denn die Selbstversamung grenzt meistens an Belästigung.



Fenchel in einer trocken-warmen Hochstaudenflur u.a. mit Großblütiger Königskerze

Sorten:
  • Rubrum: Auslese der Wildform mit rötlich-bräunlichen Stengeln und Blättern, im Blattaustrieb besonders ausgeprägt (Handelsstandard)
  • var. azoricum: Gemüse- oder Knollenfenchel mit stark verdickter Blattknolle (nur als Saatgut im Handel)
  • var. dulce: Gewürzfenchel mit ausgeprägt aromatischen Samen (nur als Saatgut im Handel)
  • var. vulgare: Wildform

Bilder
























Attribute

Lebensform Stauden/Gräser/Farne Blütenfarbe Blütezeit Blattfärbung
Staude
Blütenstauden/-Kräuter
horstartig
60-100 cm Höhe
100-150 cm Höhe
gelblich-grün
gelb
Juli
August
September
blau-grün
bräunlich
Geniessbarkeit/Giftwirkung Duft Wasserhaushalt Lichtansprüche Bodenansprüche
ungiftig
essbar
Heil-/Gewürzpflanze
ausgeprägt
mäßig trocken
frisch
sommertrocken
vollsonnig
sonnig
stark kalk-/basenreich
mäßig kalk-/basenreich
ph-neutral
kalkarm, leicht sauer
kalkfrei, sauer
(lehmiger/humoser) Sand
durchlässiger Lehm
Lehm
humos
poröser Schotter
kalk-/basenreich
Nährstoffversorgung (N + P) Klima/Frostsicherheit Herkunft BEWERTUNGEN Staudenfluren
mittlere Böden
reiche Böden
sehr reiche Böden
frostfreie Lage
sehr wintermilde Lage
Normal- bis winterrauhe Lage
frostarme Lage
ausgeprägte Warmlage
hitzeanfällige Lage
gemäßigte Klimate
subtropische Klimate
wintermilde Lage
Warmlagen
Europa
Südeuropa
Süd-Osteuropa
mediterraner Schwerpunkt
Asien
Kleinasien
Vord. Orient
sehr gut
strukturbildender Gruppen-Solitär
Gruppen-Verbands-Pflanze
verträglich
Staudenfluren trockenwarmer Standorte
Einsatzbereich Handelsgängigkeit Belaubung Lebensbereich
Ländlicher Garten
Mediterraner Garten
Terrassen-/Balkongarten
Repräsentative Gärten
Steppenpflanzung
für Pflanzgefäße geeignet
Klostergarten
öffentliches Grün
Grünanlagen geringer Pflegestufe
Grünanlagen hoher Pflegestufe
Rabatte
Insektenweide
Wiese/Prärie
Hauptsortiment
sommergrün
Felssteppen
Gehölzrand/Staudenfluren