Anthriscus sylvestris // Wiesen-Kerbel

Familie Apiaceae, Doldenblütler
Pflanzen pro qm 4.00
Wikipedia Anthriscus sylvestris
Verbreitungskarte Verbreitungskarte

Beschreibung

Naturstandort von Anthriscus sylvestris

Der Wiesen-Kerbel ist in ganz Europa und Teilen der nordafrikanischen Bergregionen verbreitet. Nach Osten reicht das Verbreitungsgebiet mit großen Lücken in Zentral-Asien bis China und weiter nach Japan. In China steigt sie bis über 4.000 m üNN auf. In Nordamerika ist die Wiesenkerbel eingeschleppt (Karte der Gesamtverbreitung).

In Mitteleuropa kommt sie flächendeckend und sehr häufig von den Tieflagen bis an die Baumgrenze der Alpen vor.



Anthriscus sylvestris in einer nur mäßig gedüngten Wirtschaftswiese

Anthriscus sylvestris tritt oft aspektbildend in frischen und stark gedüngten Wirtschaftswiesen auf. Ihre weißen Blütendolden überziehen die Wiesen mitunter mit einem wolkenartigen Schleier.

Außerdem ist sie typisch für frisch-stickstoffreiche Staudensäume und Waldlichtungsfluren sonniger bis absonniger Lagen. Oft handelt es sich um etwas gestörte bis ruderalisierte Standorte entlang von Wegen oder an Straßenböschungen.

Bevorzugt werden tiefgründige Lehmböden ohne nennenswerte Wurzelkonkurrenz von Großgehölzen. Bezüglich der Bodenreaktion ist die Wiesen-Kerbel anspruchslos und toleriert saure bis stark alkalische Substrate.

Ökologische Zeigerwerte nach ELLENBERG (1992)   ... zur Legende
Licht (5)  Temperatur (-)  Kontinentalität (5)  Feuchte (5)  Reaktion (-)  Stickstoff (8)



Auch halbschattige, leicht ruderalisierte Wegsäume werden gerne besiedelt.

Beschreibung

Anthriscus sylvestris ist eine mit einer wintergrünen Halbrosette und einer schlanken Rübe überwinternde Zweijährige. Allerdings ist es nicht ungewöhnlich, wenn selbst Keimlinge des Frühsommers schon im Hochsommer zur Blüte kommen, also einen einjährigen Zyklus aufweisen. Auffällig sind die großen, gefiederten, farnartig anmutenden Blätter.

Der Blütenstand besteht aus einer Vielzahl kleiner, weißer Dolden, die sich zu mehreren großen Dolden zusammenfinden. Er erreicht Höhen zwischen 100 und 150 cm. Die Blütezeit liegt bei den üblichen winterannuellen Keimlingen im Mai.

Empfindliche Menschen können bei Kontakt mit der Pflanze Hautreizungen erleiden.

Ähnlich der Echten Kerbel (Anthriscus cerefolium) kann der Wiesen-Kerbel als würzige Salatbeilage verwendet werden.



Wiesen-Kerbel unter Robinien mit Großem Schöllkraut.

Verwendungshinweise

Anthriscus sylvestris ist sicherlich kein Must-Have der Gartengestaltung. Die Wildart wird auch praktisch nicht verwendet. Für betont naturidentische Staudensäume und Kräuterwiesen ist sie aber eine stimmige Wahl. Zumindest kann man sie gut dulden, wenn sie sich selbsttätig einstellt.

In traditionellen ländlichen Gärten hat sie aufgrund ihrer traditionellen Küchenverwendung eine gewisse Berechtigung.

Die rot- oder gelblaubigen Auslesen sind interessante Blattschmuckstauden, die vorrangig in ländlichen Staudenbeeten ungewöhnliche Aspekte einbringen. Mit ihnen könnte man sich auch ansprechende Mischpflanzungen in Kübeln für Balkon und Terrasse vorstellen.

Immer wieder beeindruckend ist auch die Ansammlung von blütenbesuchenden Insekten - insbesondere unzähligen Käferarten - auf Wiesen-Kerbeln.

Der Bezug der Wildform ist praktisch und sinvollerweise nur als Saatgut möglich. Die laubzierenden Auslesen werden auch als Topfballen vertrieben.



Der Wiesen-Kerbel versamt sich im Garten zuverlässig, wenn sie einmal Fuß gefasst hat.

Kultur

Als Zweijährige ist die Kultur der im Prinzip robusten Art mit einigen Unwägbarkeiten verbunden. Sie benötigt einen gewissen Anteil offener Bodenstellen, um sich selbst erhalten zu können. Gibt es viel nackte Erde, kann sie sich übermäßig versamen, ist die Vegetationsdecke zu dicht, fällt sie mit der Zeit aus.

Rechte Freude hat man mit Anthriscus sylvestris nur auf wirklich stickstoffrreichen und frischen bis feuchten, gerne schweren Böden. Trockenstress und übermäßige Ressourcenkonkurrenz durch Großgehölze sorgen für unbefriedigende Ergebnisse.

Vollsonnige Standorte sind ebenso geeignet wie absonnige oder sogar licht schattige Lagen.

Die farbigen Auslesen fallen weitgehend samenecht aus, allerdings dürfen keine Wildformen in der Nähe stehen.

Sorten:
  • Golden Fleece: leuchtend gelb-grünes Laub, grob gefiedert, schwachwüchsiger, zwischen 70 und 90 cm hoch, weitgehend samenecht
  • Ravenswing: schwarz-rotes Laub, fein gefiedert, schwachwüchsiger, zwischen 70 und 90 cm hoch

Bilder












Attribute

Lebensform Stauden/Gräser/Farne Blütenfarbe Blütezeit Blattfärbung
zweijährig
Staude
Blütenstauden/-Kräuter
horstartig
60-100 cm Höhe
100-150 cm Höhe
weiß
Mai
grün
gelblich
rötlich
bräunlich
Geniessbarkeit/Giftwirkung Duft Wasserhaushalt Lichtansprüche Bodenansprüche
Heil-/Gewürzpflanze
unbedeutend
frisch
feucht
vollsonnig
sonnig
halbschattig
absonnig
stark kalk-/basenreich
mäßig kalk-/basenreich
ph-neutral
kalkarm, leicht sauer
kalkfrei, sauer
durchlässiger Lehm
Lehm
humos
kalk-/basenreich
Nährstoffversorgung (N + P) Klima/Frostsicherheit Herkunft BEWERTUNGEN Wiesen
reiche Böden
sehr reiche Böden
sehr wintermilde Lage
Normal- bis winterrauhe Lage
frostarme Lage
ausgeprägte Warmlage
luftfeuchte und/oder kühle Lagen
gemäßigte Klimate
subtropische Klimate
wintermilde Lage
Warmlagen
Europa
Tiefland
Mittelgebirge (montan)
alpin
Nordeuropa
Mitteleuropa
Südeuropa
Süd-Osteuropa
Osteuropa/Kaukasus
Hügelland (collin)
Asien
Ostasien/China/Mandschurei
Japan/Korea/Sachalin/Taiwan
Sibirien
Zentral-Asien
Kleinasien
Vord. Orient
Afrika
Nordafrika
Liebhaberpflanze
Mittel
strukturbildender Gruppen-Solitär
Gruppen-Verbands-Pflanze
verträglich
Frischwiesen
Staudenfluren Gebüsche Einsatzbereich Handelsgängigkeit Belaubung
Staudenfluren frischer, nährstoffreicher Standorte
Schlehen-Gebüsche
Ländlicher Garten
Terrassen-/Balkongarten
Waldgarten
für Pflanzgefäße geeignet
Rabatte
Insektenweide
Raritäten/Saatgut
sommergrün
Lebensbereich
Wiesen
Gehölzrand/Staudenfluren