Allium carinatum // Kiel-Lauch

Familie Amaryllidaceae, Amarillisgewächse
Pflanzen pro qm 200.00
Wikipedia Allium carinatum
Verbreitungskarte Verbreitungskarte

Beschreibung

Naturstandort von Allium carinatum

Der Kiel-Lauch hat seinen Verbreitungsschwerpunkt im südlichen und süd-östlichen Europa bis in das südliche Mitteleuropa und in die Türkei. Es gibt aber auch Vorposten im südlichen Skandinavien und im Baltikum.

In Deutschland kommt Allium carinatum natürlicherweise vom Alpenvorland bis zum Bayerischen Wald und entlang des oberen Oberrheins vor. Natürliche Einzelvorkommen hat der Kiel-Lauch auch im nördlichen Harzvorland. Ansonsten ist er im Tiefland sehr vereinzelt eingebürgert.



Allium carinatum ssp.carinatum auf einer Magerweide im Alpenvorland.

Allium carinatum ist eine Kennart der basenreichen, sehr stickstoffarmen Trockenrasen.

Die Art kommt aber mitunter auch in den trockeneren bzw. ausgeprägt wechselfeuchten Formen der Pfeifengras-Wiesen und in nährstoffarmen Wiesen und Weiden vor. Die Standorte sind (voll-)sonnig.

Ökologische Zeigerwerte nach ELLENBERG  ... zur Legende
Licht (8)  Temperatur (5)  Kontinentalität (4)  Feuchte (3)  Reaktion (8)  Stickstoff (2)



Allium carinatum ssp. pulchellum in einem trocken-warmen Saum. Die charakteristische Schopfform durch die hochgestellten oberen Blütenstiele ist gut erkennbar.

Beschreibung
Allium carinatum ist ein sommergrüner Zwiebelgeophyt. Er erreicht in Blüte Wuchshöhen von 25 bis 50 cm. Die scheindoldigen Blütenstände sind vor dem Aufblühen von einer bis zu 20 cm langen Scheide umschlossen.

Die blass rosa-violetten Blüten sind lang gestielt, der Blütenstand ist dadurch sehr locker-transparent. Die Blütezeit beginnt ab Mitte Juli und reicht für ein Zwiebelgewächs erstaunlich ausdauernd bis Ende August.

Die Unterart Allium carinatum ssp.carinatum ist nicht fertil, entwickelt aber Brutzwiebeln am Grund der Scheindolde, aus denen sich bei Erdkontakt neue Individuen entwickeln. Der Unterart Allium carinatum ssp. pulchellum fehlt diese Eigenschaft, sie entwickelt dafür keimfähige Samen. Außerdem bilden die Blüten eine auffällige Schopfform.

Die kleinen Zwiebeln können als Gewürz ähnlich wie Knoblauch verwendet werden.

Im Habitus sehr ähnlich sind der südeuropäische, schwefel-gelbe Allium flavum und der mitteleuropäische, schmutzig-weiße Allium oleraceum.

Verwendungshinweise
Allium carinatum wird selten gärtnerisch verwendet, sicherlich, weil den transparenten Blütenständen der zarten Art die von Zierlauchen erwartete optische Wucht abgeht. Sie wird damit in ihrem Gartenwert unterschätzt. Allein schon der hochsommerliche Blühzeitpunkt spricht für einen regelmäßigeren Einsatz. Die ungewöhnliche Blütenform der handelsüblichen Unterart Allium carinatum ssp. pulchellum sorgt für ein interessantes Alleinstellungsmerkmal.



Allium carinatum ssp.carinatum bildet Brutzwiebeln statt Samen aus.

Ein Einsatz ist vorrangig für detailreiche, betont naturhafte Magerwiesen, Steppenrasen und in von niedrigen Gräsern dominierten, sonnigen Säumen vor Gehölzen sinnvoll. Der zarte, unaufdringliche Duktus unterstützt hier glaubwürdig naturhafte Pflanzungen.

An Naturstandorten sieht man ihn z.B. zusammen mit vielen gartenwürdigen Partnern wie die unverzichtbare Dianthus carthusianorum, Euphorbia seguieriana, Filipendula vulgaris, Galium verum, Knautia arvensis oder Prunella grandiflora einen bunten Hochsommeraspekt bilden. Als naturidentische Matrix bieten sich niedrige Horstgräser wie Koeleria vallesiana, Festuca amethystina oder das praktisch nur als Saatgut erhältliche, aber sehr überzeugende

Im Verbund mit blüh- und farbdominanten Stauden in rabattenartigen Anlagen bleibt der Kiel-Lauch rasch unterhalb der Wahrnehmungsschwelle. Auch in naturhaften Wiesen und Steppen wird die Art nur in großen Gruppen bzw. sogar flächendeckend wirksam.

Daneben ist ein Einsatz in Kräutergärten durchaus originell.



Auch die Blütenstiele von Allium carinatum ssp.carinatum sind zunächst aufrecht, biegen sich dann aber alle bogig über.


Kultur
Allium carinatum ist nur in mageren, möglichst sonnigen Situationen dauerhaft sinnvoll zu kultivieren. Eine Kombination mit ausbreitungsfreudigen Stauden ist nicht zu empfehlen.

Auf entsprechenden Extremstandorten benötigt die Art dann aber praktisch keine gärtnerische Unterstützung.

Die Unterart "carinatum" ist über Brutzwiebeln leicht zu vermehren und neigt in lückigen Vegetationsbeständen zur Bildung locker-rasiger Bestände. Im Handel ist aber praktisch nur die Unterart "pulchellum" zu beziehen. Diese versamt sich, benötigt dafür aber konkurrenzarme Bedingungen.

Sorten:
  • ssp. carinatum: mit Brutzwiebeln, rel.langen Blütenstielen, praktisch nicht im Handel
  • ssp. pulchellum: ohne Brutzwiebeln, kürzere Blütenstiele, der Blütenstand wirkt dadurch etwas kompakter (Handelsstandard)
  • ssp. pulchellum var. album: wie vorige mit rein-weißen Blüten
  • Bilder






    ssp. pulchellum



    ssp. carinatum



    ssp. carinatum



    ssp. carinatum



    ssp. pulchellum



    ssp. pulchellum

    Attribute

    Lebensform Stauden/Gräser/Farne Blütenfarbe Blütezeit Blattfärbung
    Staude
    Zwiebel/Knolle
    Blütenstauden/-Kräuter
    horstartig
    15-30 cm Höhe
    30-60 cm Höhe
    weiß
    rosa
    violett
    Juli
    August
    grau-grün
    Geniessbarkeit/Giftwirkung Duft Wasserhaushalt Lichtansprüche Bodenansprüche
    ungiftig
    essbar
    Heil-/Gewürzpflanze
    unbedeutend
    trocken
    mäßig trocken
    frisch
    wechselfeucht
    gut drainiert
    sommertrocken
    vollsonnig
    sonnig
    stark kalk-/basenreich
    mäßig kalk-/basenreich
    ph-neutral
    kalkarm, leicht sauer
    (lehmiger/humoser) Sand
    durchlässiger Lehm
    humos
    organische Böden
    poröser Schotter
    kalk-/basenreich
    Nährstoffversorgung (N + P) Klima/Frostsicherheit Herkunft BEWERTUNGEN Wiesen
    sehr arme Böden
    arme Böden
    mittlere Böden
    sehr wintermilde Lage
    Normal- bis winterrauhe Lage
    frostarme Lage
    ausgeprägte Warmlage
    hitzeanfällige Lage
    gemäßigte Klimate
    subtropische Klimate
    wintermilde Lage
    Warmlagen
    Europa
    Mittelgebirge (montan)
    Nordeuropa
    Mitteleuropa
    Südeuropa
    Süd-Osteuropa
    mediterraner Schwerpunkt
    Hügelland (collin)
    Asien
    Kleinasien
    sehr gut
    Gering
    Gruppen-Verbands-Pflanze
    aspektbildender Flächenfüller
    verträglich
    Frischwiesen
    Trockenrasen Alpine Felsfluren Staudenfluren Zwergstrauchheiden und Nadelgebüsche Gebüsche
    Sandtrockenrasen
    Steppenrasen
    Submediterrane Halbtrockenrasen
    Kalk
    Staudenfluren trockenwarmer Standorte
    Wacholdergebüsche
    Wärmeliebende Trocken-Gebüsche
    Einsatzbereich Handelsgängigkeit Belaubung Lebensbereich
    Ländlicher Garten
    Mediterraner Garten
    Steingarten/Alpinum
    Steppenpflanzung
    Klostergarten
    Wiese/Prärie
    Nebensortiment
    sommergrün
    Alpinum
    Wiesen
    Felssteppen
    Steppen
    Gehölzrand/Staudenfluren