Epilobium angustifolium // Schmalblättriges Weidenröschen

Familie Onagraceae, Nachtkerzengewächse
Pflanzen pro qm 4.00
Wikipedia Epilobium angustifolium
Verbreitungskarte Verbreitungskarte

Beschreibung

Naturstandort von Epilobium angustifolium (Schmalblättriges Weidenröschen): Epilobium angustifolium ist auf der gesamten Nordhalbkugel verbreitet und fast überall häufig. In Europa reicht das Verbreitungsgebiet von der Iberischen Halbinsel bis in das nördliche Skandinavien (Karte der Gesamtverbreitung).

In Mitteleruopa ist das Schmalblättrige Weidenröschen von den Meeresküsten bis in die alpine Stufe anzutreffen.

Epilobium angustifolium ist eine Charakterart der Kahlschlag- und Waldlichtungsfluren. In Gebirgsregionen findet sich die Art stetig in subalpinen Hochstaudenfluren und in urbanen Räumen in Ruderalfluren ein.



Typischer Massenbestand in einer Weihnachtsbaumkultur

Die Art bevorzugt kalkarme, schwach basische bis saure, ausgesprochen stickstoffreiche Lehmböden. Sie besiedelt vorrangig frische, (voll-)sonnige Standorte.

Als Spezialistin für Pionierfluren aller Art sind aber die Bodeneigenschaften für ihr Vorkommen mehr oder weniger irrelevant. Selbst auf den kalkreichen, reinen Sand-Rohböden der Weißdünen entlang der Meeresküsten entwickelt sie sich prächtig.

Ökologische Zeigerwerte nach ELLENBERG (1992)
Licht (8)  Temperatur (-)  Kontinentalität (5)  Feuchte (5)  Reaktion (5)  Stickstoff (8)



Im lockeren Sand der Weißdüne bei Kalifornien (Kieler Bucht) fällt den Rhizomen die flächige Ausbreitung besonders leicht.

Beschreibung

Epilobium angustifolium ist eine sommergrüne Staude von 120-140 cm Höhe mit straff aufrechtem, unverzweigten Wuchs. Sie bildet durch weitstreichende Rhizomausläufer relativ lockere, aber stark in die Fläche drängende Bestände. Das Laub ist v.a. in vollsonnigen Lagen bläulich-grün.

Die kräftig rosafarbenen Büten stehen in 20 cm langen, aufrechten Trauben. Die Blütezeit erstreckt sich von Ende Juni bis Mitte Juli.

Die ebenfalls rosafarenen Kapselfrüchte erscheinen am unteren Ende zeitgleich mit den nach oben hin aufblühenden Blüten und sind durchaus zierend. Die Kapseln entlassen eine Vielzahl wollig behaarter Samen.

Gelegentlich wird die Art auch als "Chamerion angustifolium" synonym bezeichnet.

'Album' mit wolligen Samen im unteren Drittel, geschlossenen Samenkapseln in der Mitte und den letzten Blüten an der Spitze:



Verwendungshinweise

Das Schmalblättrige Weidenröschen ist im Prinzip eine sehr ansprechende Wildstaude, deren Herkunft von in der Regel gestörten Plätzen wohl nur wenigen Betrachtern bewusst sein dürfte. Die langen, rosa überlaufenen Fruchtstände sind noch eine zeitlang zierend. Mit dem Aufquellen der wollig behaarten Samen wird verliert sich der Charme dann aber doch.

Denkbar ist die Verwendung v.a. in naturhaften Staudensäumen vor Gehölzrändern. Höhere, sommerblühende Gräser wie das beliebte Garten-Reitgras (Calamagrostis x acutiflora) sind hier stimmige Partner. Für eine starke strukturelle Ergänzung würden hier die Samenstände der Wilden Karde (Dipsacus fullonum) sorgen. Glaubwürdige Blütenpartner sind z.B. Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium)

Unkonventionelle Bilder können aber auch im Verbund mit fremdartigen Hochstauden wie der ebenfalls ausbreitungsfreudigen Schönen Seidenpflanze (Asclepias speciosa) erzielen. 

Die weniger wuchernden Garten-Auslesen können auch gut in Rabatten und Bauerngärten eingesetzt werden. Sie sind zum Glück der Wildart im Habitus sehr ähnlich geblieben und durchweben in möglichst sonnigen Lagen auf sehr zivile Weise die Horste anderer Hochstauden. Romantische Situationen ergeben sich z.B. mit der Milchweißen Glockenblume (Campanula lactiflora), Geflecktem Wasserdost (Eupatorium maculatum), Kandelaber-Ehrenpreis (Veronicastrum virginicum) oder Busch-Malven (Lavatera-Olbia-Hybride).      




In alpinen Hochstaudenfluren beteiligt sich das Weidenröschen mitunter an wahren Blütenwundern.

Kultur

Die Wildform ist aufgrund des vegetativen und generativen Ausbreitungsdranges nur mit kräftigeren Partnern zu vergesellschaften. Die Art besetzt dann sehr effektiv freie Stellen zwischen anderen Hochstauden und füllt Lücken rasch.

Auch die Versamung funktioniert prima, was man ihr aber eher als Nachteil auslegen muss.

Ansonsten ist die Art sehr robust und bezüglich der Standortparameter sehr flexibel. Lediglich in verschatteten Situationen ist der Wuchs unbefriedigend halb-lagernd und der Blütenansatz schwach. Mindestens zwei bis drei Stunden direkte Mittagssonne muss man ihr für befriedigende Ergebnisse mindestens gönnen. Wird sie im Verbund mit anderen Hochstauden eingesetzt, sollten nur (voll-)sonnige Lagen gewählt werden.



In dieser ländlichen Ruderalflur bildet das Weidenröschen mit Kratzdistel und Kanadischer Goldrute ein Gleichgewicht des Schreckens.

Sorten:
  • Album: rein-weiße Blüten, weniger expansiv als der Typ, schwächer versamend
  • Stahl-Rose: zart-rosa Blüten, weniger expansiv als der Typ, schwächer versamend

Bilder






Attribute

Lebensform Stauden/Gräser/Farne Blütenfarbe Blütezeit Blattfärbung
Staude
Blütenstauden/-Kräuter
flächendeckend
60-100 cm Höhe
100-150 cm Höhe
weiß
rosa
rosé-weiß
pink
Juli
blau-grün
Duft Wasserhaushalt Lichtansprüche Bodenansprüche Nährstoffversorgung (N + P)
unbedeutend
frisch
feucht
vollsonnig
sonnig
halbschattig
stark kalk-/basenreich
mäßig kalk-/basenreich
ph-neutral
kalkarm, leicht sauer
kalkfrei, sauer
durchlässiger Lehm
Lehm
humos
kalk-/basenreich
mittlere Böden
reiche Böden
sehr reiche Böden
Klima/Frostsicherheit Herkunft BEWERTUNGEN Alpine Felsfluren Staudenfluren
sehr wintermilde Lage
Normal- bis winterrauhe Lage
frostarme Lage
ausgeprägte Warmlage
hitzeanfällige Lage
luftfeuchte und/oder kühle Lagen
gemäßigte Klimate
subtropische Klimate
wintermilde Lage
Warmlagen
Europa
Tiefland
Mittelgebirge (montan)
alpin
Nordeuropa
Mitteleuropa
Südeuropa
Süd-Osteuropa
Osteuropa/Kaukasus
Hügelland (collin)
Asien
Ostasien/China/Mandschurei
Japan/Korea/Sachalin/Taiwan
Sibirien
Zentral-Asien
Kleinasien
Vord. Orient
Afrika
Nordafrika
Amerika
Nordamerika
Mittelamerika
gut
Gering
strukturbildender Gruppen-Solitär
Gruppen-Verbands-Pflanze
unverträglich
Silikat
Staudenfluren frischer, nährstoffreicher Standorte
Einsatzbereich Handelsgängigkeit Belaubung Lebensbereich
Ländlicher Garten
Repräsentative Gärten
öffentliches Grün
Grünanlagen geringer Pflegestufe
Grünanlagen hoher Pflegestufe
Insektenweide
Bodenfestiger (Halden/Böschungen)
Hauptsortiment
sommergrün
Gehölzrand/Staudenfluren