Ulex europaeus / Europäischer Stechginster

Ulex_europaeus_europ%c3%a4ischer_stechginster_11 Familie Fabaceae, Hülsenfrüchtler
Pflanzen pro qm 2.00
Wikipedia Ulex europaeus
Verbreitungskarte Verbreitungskarte

Beschreibung

Naturstandort von Ulex europaeus: Der Europäische Stechginster kommt schwerpunktmäßig entlang der atlantisch geprägten Regionen von der Iberischen Halbinsel über Frankreich und Großbritannien bis in die Niederlande vor. Im Mittelmeerraum liegt die östliche Verbreitungsgrenze der urwüchsigen Populationen in Italien.

Ulex europaeus tritt in den wintermilden Klimaten auf allen Kontinenten als nicht selten aggressiver Neophyt auf.

In Deutschland gilt der Europäische Stechginster als eingebürgerter Neophyt v.a. in der westlichen Hälfte der Norddeutschen Tiefebene. Es gibt weitere, unbeständige Vorkommen im östlichen Tiefland und in den nördlichen Mittelgebirgsregionen. In der Schweiz verwildert er gelegentlich im Mittelland und gilt im Tessin punktuell als eingebürgert.



Alter, kräftig entwickelter Ulex europaeus

Der lichtliebende Europäische Stechginster besiedelt vorrangig subatlantische Brombeer- und Besenginster-Gebüsche auf nährstoffarmen, sauren Sandböden. Sie sind oft den sonnenexponierten Rändern von Eichenmischwäldern vorgelagert.

In den Küstenregionen kommt er aber auch stetig in Heideflächen und den entkalkten, salzfreien Graudünen vor.

Die Wasserversorgung ist auf sehr leichten Böden mäßig-trocken, auf grundwassernahen Standorten z.B. in Dünentälern aber auch dauerhaft frisch bis feucht.

Ökologische Zeigerwerte nach ELLENBERG (1992)  ... zur Legende
Licht (7)  Temperatur (6)  Kontinentalität (1)  Feuchte (5)  Reaktion (3)  Stickstoff (2)



Im Herbst erscheint auf frischen Standorten oft eine schwächere Nachblüte.

Beschreibung

Ulex europaeus ist ein sommergrüner Strauch mit sparrigem, etwas amorphen Wuchs. Durch die extrem dicht stehenden dunkel-grau-grünen Dornen wirkt die Art aber immergrün. Die gefiederten Laubblätter bleiben spärlich und prägen den Habitus nicht sonderlich.

Die trägwüchsige Art errreicht Wuchshöhen zwische 80 und 120 cm, alte Exemplare können auch fast 200 cm Höhe erreichen.

Die gelben Schmetterlingsblüten erscheinen zahlreich von Anfang Mai bis Mitte Juli. Eine Nachblüte im Herbst, teilweise bis in den Frühwinter ist in atlantischen Regionen nicht unüblich.

Wie die meisten Hülsenfrüchtler sammelt auch Ulex europaeus mit Hilfe von Knöllchenbakterien Luftstickstoff, der sich im Wurzelraum anreichert.

Die gesamte Pflanze ist stark giftig, wird aber auch medizinisch verwendet.

Verwendungshinweise

Ulex europaeus ist eine sonderbare Erscheinung, die zwischen "hässlich" und "bizarr" pendelt. Der strukturlose Habitus lässt den Betrachter etwas ratlos zurück. Hilfreich ist ein gelegentlicher Rückschnitt, der zu kompakteren, klareren Wuchsformen führt. Auf der anderen Seite ist ein von tief-gelben Blüten überzogener Ulex-Busch ein durchaus reizvoller Anblick.

Am überzeugendsten kommt die Art als Solitär oder in lockeren Solitärgruppen in weiträumigen Heidegärten zur Geltung. Am Naturstandort ist er hier v.a. mit Calluna vulgaris und Cytisus scoparius vergesellschaftet.



An der Ästhetik des Stechginsters scheiden sich die Geister.

Der Europäische Stechginster ist gut schnittverträglich und kann zu kompakten Formschnitten erzogen werden. V.a. in betont dynamisch-naturhaften, steppenartigen Anlagen können solche Formen ein spannungsreiches Widerlager als Zeichen der Kontrolle und Statik bilden.

Als Formschnitt ist die Art auch als Kübelpflanze für Terrassen- und Balkongärten geeignet, der Wurzelballen sollte allerdings nicht vollständig durchfrieren und die Bewässerung muss im Winter - reduziert - fortgesetzt werden.

Mitunter wird der Europäische Stechginster auch zur Entwicklung unüberwindlicher Einfriedungen verwendet, seltener in pflegeleichten öffentlichen Grünanlagen.



Die Bewehrung ist in jedem Falle furchteinflößend.

Kultur

Ulex europaeus ist in möglichst sonnigen Lagen ausgesprochen anspruchslos. Nach der Etablierung sorgt die tiefreichende Pfahlwurzel und die verdunstungsoptimierte Blatt-Dornenstruktur zumindest in atlantischen Regionen mit hohen Sommerniederschlägen auch auf leichten Sandböden für eine Unabhängigkeit von künstlicher Bewässerung. Allerdings sind die in kontinentalen Regionen häufiger auftretenden sommerlichen Hitze- und Trockenphasen auf leichten Böden der Vitalität dann doch abträglich.

Generell werden leichtere Mineral-Böden bevorzugt, in Kultur gedeiht die Art aber auch auf lehmigen Böden. Sie wirkt hier allerdings oft deplaziert, weil die Begleitflora nicht recht zum erwarteten Lebensraumbild der Art passen will. Auf kalkhaltigeren Böden entstehen Chlorosen.

Der Europäische Stechginster ist etwas frostempfindlich und friert v.a. in kontinentalen Gebieten mit den häufiger auftretenden Tieffrostphasen regelmäßig bodentief zurück. Er treibt meist willig wieder aus, bleibt dadurch aber niedrigwüchsig.

Im atlantischen Tiefland neigt die Art zur willigen Versamung, ist aber im Garten gut zu kontrollieren.



Jungpflanzen mit Erica arborea im Hintergrund

Bilder





Ulex_europaeus_europ%c3%a4ischer_stechginster_11


Ulex_europaeus_europ%c3%a4ischer_stechginster_1


Ulex_europaeus_europ%c3%a4ischer_stechginster___4


Ulex_europaeus_europ%c3%a4ischer_stechginster_32


Ulex_europaeus_europ%c3%a4ischer_stechginster_44


Ulex_europaeus_europ%c3%a4ischer_stechginster_(22)

Attribute

Lebensform Blütenfarbe Blütezeit Blattfärbung Geniessbarkeit/Giftwirkung
Strauch
Klein-Strauch
Normalstrauch
gelb
Juni
dunkel-grün
grau-grün
stark giftig
Heil-/Gewürzpflanze
Duft Wasserhaushalt Lichtansprüche Bodenansprüche Nährstoffversorgung (N + P)
unbedeutend
mäßig trocken
frisch
sommertrocken
feucht
vollsonnig
sonnig
mäßig kalk-/basenreich
ph-neutral
kalkarm, leicht sauer
kalkfrei, sauer
(lehmiger/humoser) Sand
durchlässiger Lehm
humos
poröser Schotter
starker Wurzeldruck
stark sauer
sehr arme Böden
arme Böden
mittlere Böden
Klima/Frostsicherheit Herkunft BEWERTUNGEN Trockenrasen Staudenfluren
sehr wintermilde Lage
Normal- bis winterrauhe Lage
frostarme Lage
ausgeprägte Warmlage
gemäßigte Klimate
wintermilde Lage
Warmlagen
Europa
Ozeanischer Verbreitungsschwerpunkt
Tiefland
Mitteleuropa
befriedigend
Sehr gering
strukturbildender Solitär
strukturbildender Gruppen-Solitär
verträglich
Bodensaure Borstgrasrasen
Strand-Dünen
Staudenfluren trockenwarmer Standorte
Zwergstrauchheiden und Nadelgebüsche Gebüsche Wälder Einsatzbereich Handelsgängigkeit
Trockene Sandheiden
Besenginsterheiden
Wacholdergebüsche
Wärmeliebende Trocken-Gebüsche
Schlehen-Gebüsche
Dünen-Gebüsche
Eichenwälder
Bodensauere Eichenmischwälder
Terrassen-/Balkongarten
Repräsentative Gärten
Heidegarten
Steppenpflanzung
für Pflanzgefäße geeignet
Klostergarten
öffentliches Grün
Straßenbegleitgrün
Grünanlagen geringer Pflegestufe
Grünanlagen hoher Pflegestufe
Insektenweide
Hecken
Schnitthecke
Freie Blütenhecke
Hauptsortiment
Belaubung Lebensbereich
winter-/immergrün
Heiden
Gehölzrand/Staudenfluren