Sambucus nigra // Schwarzer Holunder, Holder

Familie Adoxaceae, Moschuskrautgewächse
Pflanzen pro qm 1.00
Wikipedia Sambucus nigra
Verbreitungskarte Verbreitungskarte

Beschreibung

Naturstandort von Sambucus nigra

Der Schwarze Holunder kommt von ganz Süd-Europa bis Dänemark und weite Teile Osteuropas vor. Die Türkei und die Kaukasus-Region bilden die süd-östliche Verbreitungsgrenze. In Skandinavien, England und dem westlichen Nordafrika gelten die Vorkommen als eingebürgert (Karte der Gesamtverbreitung).



Sambucus nigra entwickelt sich an stickstoffreichen Uferstandorte hervorragend.

In Mitteleuropa und Deutschland ist die Art ausgesprochen häufig in nitrophytischen, frischem Brach- und Ödland zu finden und bildet zusammen mit der Sal-Weide (Salix caprea) charakteristische Vorwaldstadien.

Sehr häufig ist er zudem in Gebüschen und Hecken der intensiv genutzten Agrarlandschaft und in alten Unkrautfluren des Siedlungsraumes. Naturnahe Standorte sind lichte Ränder der Hartholzaue.

Der Schwarze Hollunder bevorzugt vollsonnige bis licht halbschattige Lagen auf frischen, extrem stickstoffreichen Böden aller Art. 

Ökologische Zeigerwerte nach ELLENBERG  ... zur Legende
Licht (7)  Temperatur (5)  Kontinentalität (3)  Feuchte (5)  Reaktion (-)  Stickstoff (9)



Schwarzer Holunder als Hausbaum in klassisch-ländlicher Situation

Beschreibung
Der Schwarze Holunder ist ein hochgewölbter, wüchsiger Großstrauch von bis zu 8 m Höhe oder seltener ein Kleinbaum mit kurzem, krummen Stamm von etwa 10 m Höhe.

Die großen, tellerartigen, weißen Schirmrispen erscheinen im Juni/Juli und duften stark. Sie können z.B. in Teig frittiert gegessen werden.



Die Früchte werden zu Säften verarbeitet.

Im Spätsomer reifen zahlreiche,  violett-schwarze Früchte, die unreif schwach giftig, reif und gut erhitzt jedoch essbar sind. Die Giftstoffe sind in den Kernen besonders konzentriert, weshalb diese auch aus abgekochten Säften herausgefiltert werden sollten. Auch Rinde und Blätter sind - wie bei allen Sambucus-Arten - giftig. Der Verzehr führt zu Kopfschmerz, Übelkeit, Erbrechen und/oder Durchfall. Die Symptome können über einige Tage anhalten.

Mit dem Roten Holunder werden Hybriden gebildet, wo sich die Verbreitungsgebiete überlappen.

Verwendungshinweise
Sambucus nigra wird mit gestörten Plätzen in Verbindung gebracht und tritt vielerorts spontan "unkrautartig" auf. Er ist daher außerhalb von Bauern- und Klostergärten und in Hecken der freien Landschaft schwierig zu verwenden. In der Regel ist der Rote Holunder die ansprechendere Wahl.

Im ländlichen, dörflichen Kontext, an alten Bauernhäusern oder Kirchen ist der Schwarze Holunder jedoch einsatzwürdig. Er steht hier in einer alten, volksmythologischen und nutzbringenden Tradition.

Seine historische Bedeutung unterstreicht, dass die geschlitztblättrige Sambucus nigra var. laciniata bereits Mitte des 16. Jahrhunderts belegt ist und damit zu den ältesten Blatt-Auslesen Europas gehört.



'Laciniata' ist eine seit der Renaissance kultivierte Spielart.

Kultur
Unter Kulturbedingungen ist die Art sehr anspruchslos. Sie bevorzugt zwar frische, sehr stickstoffreiche Standorte, gedeiht aber auch unter ungünstigeren Bedingungen willig.

In schattigen und absonnigen Lagen leidet die Blatt- und Blütenentwicklung und die Art wirkt etwas deplaziert.

Der Schwarze Holunder samt sich gerne aus, wird aber nicht ernsthaft lästig.



Sambucus nigra toleriert auch nasse Standorte wie hier unmittelbar an einem Flussufer sehr gut.

Sorten:
  • Alba: wie der Typ, aber mit weißen Früchten, schwierig zu beziehen
  • f. laciniata: 3/3 m hoch/breit, Fiederblätter sehr fein und tief geschlitztblättrig
  • Linearis: 2,5/2,5 hoch/breit, viele Blätter sind fast auf die Mittelrippe reduziert, breitere Blätter laufen mit einer langen Spitze aus
  • Monstrosa: 2,5/2,5 m hoch/breit, viele verbänderte Triebe
  • Plena: wie die Art, aber mit gefüllten Blüten, kein oder kaum Fruchtansatz
  • ssp. canadensis: 5/4 m hoch/breit, transparenter als der Typ, Schirmrispen etwas hochgewölbt, Blüte etwa 14 Tage später als beim Typ
  • ssp. canadensis Maxima: 5/4 m hoch/breit, transparenter als der Typ, Schirmrispen etwas hochgewölbt und bis zu 40 cm breit, Blüte etwa 14 Tage später als beim Typ, bis 0,5 cm große Früchte

  • gelblaubige Sorten

  • Aurea: 3/3 m hoch/breit, gold-gelber Austrieb, rötliche Blattstiele, grünlich-gelbe Sommerfärbung, chlorotische Wirkung
  • ssp. canadensis Aurea: 3/3 m hoch/breit, grünlich-gelbe Sommerfärbung, transparenter als der Typ, Schirmrispen etwas hochgewölbt, Blüte etwa 14 Tage später als beim Typ

  • rot-/braunlaubige Sorten

  • Black Beauty: 4/4 m hoch/breit, tief purpur-braunes Laub, rosa Blüte und rosa-rote Knospen
  • Black Lace: 3/3 m hoch/breit, tief purpur-braunes Laub mit sehr schmalen Fiedern, zart rosa Blüte
  • Black Tower: straff aufrechter, schlanker Wuchs, 5/2 m hoch/breit, dunkel-braun-rotes Laub, im Austrieb grün, rosé-weiße Blüten
  • Guincho Purple: 4/4 m hoch/breit, im Austrieb grünes, später tief purpur-braunes Laub, rosa-weiße Blüte

  • panaschierte Sorten

  • Albovariegata: 4/2 m hoch/breit, unregelmäßig breite, creme-weiß bis hell-gelb gefärbte Blattränder
  • Aureomarginata: unregelmäßig breite, creme-weiß bis hell-gelb gefärbte Blattränder
  • Madonna: 4/3 m hoch/breit, creme-gelblich gerandetes Laub
  • Marginata: 3/3 m hoch/breit, creme-weiß gerandetes Laub
  • Pulverulenta: ausgeprägt grün-weiß gesprenckelte Blätter, sehr lichte Erscheinung, bis 1,5 m hoch/breit

  • Sorten für den Ertragsanbau

  • Haschberg: ertragsstarke Erwerbssorte mit größeren Blüten und Früchten, wüchsig wie die Wildform, grünes Laub, weiße Blüten
  • Korsor: bis 4 m hoch, ertragsstarke Erwerbssorte mit größeren Blüten und Früchten, gleichmäßig reifend, grünes Laub, weiße Blüten



  • Ungewöhnlich kräftige Baumform.

    Bilder









    var. laciniata



    var. laciniata





















    ssp. canadensis



    ssp. canadensis



    Attribute

    Lebensform Sträucher/Bäume Blütenfarbe Blütezeit Blattfärbung
    Strauch
    Großstrauch
    Baum
    Kleinbäume
    säulenartig
    breit ausladend
    weiß
    Juni
    Juli
    grün
    dunkel-grün
    Geniessbarkeit/Giftwirkung Duft Wasserhaushalt Lichtansprüche Bodenansprüche
    giftig
    essbar
    Heil-/Gewürzpflanze
    ausgeprägt
    frisch
    feucht
    vollsonnig
    sonnig
    halbschattig
    stark kalk-/basenreich
    mäßig kalk-/basenreich
    ph-neutral
    kalkarm, leicht sauer
    kalkfrei, sauer
    (lehmiger/humoser) Sand
    durchlässiger Lehm
    Lehm
    Ton
    humos
    poröser Schotter
    starker Wurzeldruck
    kalk-/basenreich
    Nährstoffversorgung (N + P) Klima/Frostsicherheit Herkunft BEWERTUNGEN Gebüsche
    mittlere Böden
    reiche Böden
    sehr reiche Böden
    Normal- bis winterrauhe Lage
    gemäßigte Klimate
    subtropische Klimate
    Europa
    Ozeanischer Verbreitungsschwerpunkt
    Tiefland
    Mittelgebirge (montan)
    alpin
    Nordeuropa
    Mitteleuropa
    Südeuropa
    Süd-Osteuropa
    Osteuropa/Kaukasus
    Hügelland (collin)
    Asien
    Zentral-Asien
    Kleinasien
    Afrika
    Nordafrika
    Liebhaberpflanze
    Sehr gering
    strukturbildender Solitär
    Feuchtgebüsche
    Schlehen-Gebüsche
    Wälder Einsatzbereich Handelsgängigkeit Belaubung Lebensbereich
    Feuchtwälder
    Erlenbruchwälder
    Auwälder
    Ländlicher Garten
    Repräsentative Gärten
    Waldgarten
    Klostergarten
    öffentliches Grün
    Straßenbegleitgrün
    Grünanlagen geringer Pflegestufe
    Grünanlagen hoher Pflegestufe
    Insektenweide
    Hecken
    Freie Blütenhecke
    Hauptsortiment
    sommergrün
    Gehölz/Wald
    Gehölzrand/Staudenfluren