Rhus typhina (Rhus hirta) // Essigbaum, Hirschkolben-Sumach

Familie Anacardiaceae, Sumachgewächse
Pflanzen pro qm 1.00
Wikipedia Rhus typhina (Rhus hirta)
Verbreitungskarte Verbreitungskarte

Beschreibung

Naturstandort von Rhus typhina

Der Essigbaum stammt aus den östlichen USA, wo er auf trocken-warmen, skelettreichen Rohböden in Prärie- und Savannen-Gebüschen, in sonnigen Waldrändern und in Ruderalfluren von der Hügelstufe bis in hochmontane Regionen wächst.

Rhus typhina dringt auch invasiv in brachfallende, trockene wie feuchtere Magerwiesen ein, wo er dichte, nahezu krautschichtfreie Gebüschgruppen bildet. Diese Gebüsche leiten die Wiederbewaldung ein, da Klimaxbaumarten unter Essigbaum-Dickichten günstige Keimbedingungen vorfinden.

Typischer Bestand an einer Straßenböschung in Herbstfärbung

In weiten Teilen des gemäßigten Europa ist Rhus typhina neophytisch eingebürgert. In Deutschland und auch in der Schweiz bürgert sich die Art massiv in Siedlungsnähe in trocken-warmen, nahrhaften Ruderalfluren auf sandigen oder schottrigen Substraten ein. Da sie sich bislang nur wenig versamt, ist ihr Ausbreitungspotenzial in die freie Landschaft und damit die Bedrohung z.B. von artenreichen Magerrasen begrenzt. Mit zunehmender Klimaerwärmung ist aber mit zunehmender Bedeutung der generativen Vermehrung zu rechnen.

Hochstämme bieten einen malerischen Wuchs.

Beschreibung
Der Scharlach-Essigbaum ist ein sommergrüner, durch weitstreichende Wurzelausläufer breit-buschiger Strauch von 4 (6) m Wuchshöhe oder bis 10 m hoher, kurz und/oder mehrstämmiger Kleinbaum mit im breiter, schirmartiger Krone. Baumförmige Exemplare entwickeln normalerweise kaum noch Wurzelausläufer mehr.

Gut erzogene Solitäre in einer gepflegten Parkanlage

Die Art ist zweihäusig eingeschlechtlich. Die grünliche Blüte männlicher Exemplare im Juli steht in lockeren Rispen und zieht v.a. Bienen stark an. In Kultur befinden sich aber überwiegend weibliche Essigbäume mit dichteren Blüten und später weinroten, aufrecht stehende Fruchständen.

Die säurehaltigen Samen wurden zur geschmacklichen Optimierung bei der Essigproduktion eingesetzt. Man kann daraus auch Aufgüsse als säuerliche Erfrischungsgeschenke herstellen.

Die Fruchtstände bleiben über Winter am Baum und verleihen dem Habitus zusammen mit der geweihartigen Verzweigung eine charakteristische Winterstruktur. Bedeutsam ist außerdem die spektakuläre, orange-rote, leuchtende Herbstfärbung.

Rhus typhina ist v.a. auf nahrhaften Böden schnellwüchsig, allerdings für ein Gehölz relativ kurzlebig.

Sehr ähnlich ist die seltener verwendetere, etwas zierlichere Rhus glabra. Ein sicheres Unterscheidungsmerkmal sind ihre kahlen, nicht flaumig behaarten Jungtriebe.

'Dissecta' verhält sich kaum expansiv und kann relativ sorglos verwendet werden.

Gelegentlich wird die Art auch unter dem Synonym "Rhus hirta" behandelt. Diese nomenklatorisch eigentlich korrekte Bezeichnung wird zurückgestellt, weil sich die jüngere Benennung "Rhus typhina" bereits weltweit durchgesetzt hat.

Verwendungshinweise
Der Essigbaum ist eine in suburbanen Siedlungen und urbanisierten Dörfern sehr beliebtes Ziergehölz. Sein neophytischer Charakter bringt ihn zudem in Assoziation mit gestörten Plätzen. Seine Hochzeit hatte die Art in den 1960er bis in die frühen 1980er Jahre und ist danach etwas aus der Mode gekommen. Er feiert derzeit ein kleines Comeback in dynamischen Prärie-Pflanzungen.

Ein Einsatz in anspruchsvollen Anlagen kommt eigentlich nur in Sonderfällen in Frage, obwohl er objektiv betrachtet ein durchaus attraktives Gehölz ist.

In naturalistischen Staudenanlagen kann die Laubstruktur junger bzw. gelegentlich geköpfter Essigbäume ein sehr belebendes Element sein.

Um seine überkommene Ausstrahlung abzustreifen, muss er aber in sehr exklusivem Umfeld bzw. in ungewohnten Situationen verwendet werden, in dem man ihn nicht vermuten würde.

Denkbar sind z.B. Solitärstellungen als mehrstämmige Schirmform in gepflegten Parkanlagen auf weitläufigen Rasenflächen oder in reduktionistischen Gestaltungsansätzen an hochwertiger, moderner Architektur. In beiden Fällen muss dem Essigbaum sehr viel Raum gelassen werden. Die einstämmige Baumform ist aber auch in repräsentativen Situationen nur mit viel Kreativität gewinnbringend integrierbar.

Dynamische Bilder entstehen in prärieartigen Anlagen, wenn die Sträucher alle zwei bis drei Jahre auf den Stock gesetzt wird. V.a. die Herbstfärbung in Kombination mit den Samenständen hoher Ziergräser - typischerweise wird auf Calamagrostis x acutiflora zurückgegriffen - bietet sehr ansehnliche Bilder.

Durchaus apart ist die geschlitztblättrige Form "Dissecta".

Ein Einsatz in pflegefreien öffentlichen Grünanlagen und Straßenbegleitgrün kommt trotz der Anspruchslosigkeit nicht wirklich in Frage, da die Flächen dann noch ungepflegter wirken.

Die kompakte 'Tiger Eyes' hat schon ab Mitte Mai deutliche bronze-gelbe Farbanteile im Laub.

Kultur
Die lichtliebende, ansonsten extrem anspruchslose Art benötigt auch aufgrund der Wurzelausläufer ausreichend Platz.

Die Ausläufer können in Pflanzflächen sehr lästig werden, v.a. nach Rückschnitt der Haupttriebe setzt meist enormes Ausläuferwachstum ein. Kräftige Wurzelsperren werden aber respektiert. In Rasen-Flächen beseitigt der häufige Rasenschnitt die Ausläufer automatisch ohne Mehraufwand.

Will man einen Essigbaum beseitigen, sollte man ihn keinesfalls fällen, sondern zunächst ringeln. Hierfür wird ein etwa 10 cm breiter streifen Rinde entfernt. Der Baum/Strauch stirbt dann, ohne exessiv Wurzelbrut zu bilden.

Schnittmaßnahmen: Strauchformen werden mit 3-5 Gerüsttrieben aufgebaut. Nach innen wachsende Seitenäste werden ausgelichtet. Bodentiefe Verjüngungsschitte von alten Gerüsttrieben können die Bildung von Wurzelschößlingen stark befeuern, v.a. wenn mehrere Gerüsttreibe gleichzeitig beseitigt werden.

'Dissecta' überzeugt auch im Winter mit Samenschmuck und bizarrem Habitus.

Sorten:
  • Dissecta: schwachwüchsiger 3/6 m hoch/breit, mit fein fiederteiligen Blättern, breit, halb-niederliegender, bizarrer Wuchs, nur strauchförmig, geringe Neigung zur Ausläuferbildung
  • Radiance: starkwüchsige Form, manchmal auch als 'Sinrus' bezeichnet (in Mitteleuropa kaum im Handel)
  • Tiger Eyes: noch kompakter wüchsige Dissecta-Auslese mit hell-grünem Blattaustrieb und gelblich-grüner Sommerfärbung, Blattränder nicht fiederteilig sondern eher gebuchtet (in Mitteleuropa selten im Handel, mitunter fälschlich auch Rhus glabra zugeordnet)
  • Bilder



























    'Dissecta'



    'Dissecta'



    'Dissecta'


















    'Tiger Eyes'






    Attribute

    Lebensform Sträucher/Bäume Blütenfarbe Blütezeit Blattfärbung
    Strauch
    Großstrauch
    Baum
    Kleinbäume
    breit ausladend
    grün
    Juni
    grün
    zierende Herbstfärbung
    Zierwert Frucht Geniessbarkeit/Giftwirkung Duft Wasserhaushalt Lichtansprüche
    zierend/strukturstark
    ungiftig
    unbedeutend
    trocken
    mäßig trocken
    frisch
    sommertrocken
    vollsonnig
    sonnig
    halbschattig
    absonnig
    Bodenansprüche Nährstoffversorgung (N + P) Klima/Frostsicherheit Herkunft BEWERTUNGEN
    stark kalk-/basenreich
    mäßig kalk-/basenreich
    ph-neutral
    kalkarm, leicht sauer
    kalkfrei, sauer
    (lehmiger/humoser) Sand
    durchlässiger Lehm
    Lehm
    humos
    organische Böden
    poröser Schotter
    starker Wurzeldruck
    keine Bodenverdichtung
    kalk-/basenreich
    sehr arme Böden
    arme Böden
    mittlere Böden
    reiche Böden
    sehr reiche Böden
    frostfreie Lage
    sehr wintermilde Lage
    Normal- bis winterrauhe Lage
    frostarme Lage
    ausgeprägte Warmlage
    hitzeanfällige Lage
    gemäßigte Klimate
    wintermilde Lage
    Warmlagen
    Amerika
    Nordamerika
    befriedigend
    Sehr gering
    strukturbildender Solitär
    unverträglich
    Einsatzbereich Handelsgängigkeit Belaubung Lebensbereich
    Ländlicher Garten
    Repräsentative Gärten
    Steppenpflanzung
    öffentliches Grün
    Straßenbegleitgrün
    Grünanlagen geringer Pflegestufe
    Grünanlagen hoher Pflegestufe
    Insektenweide
    Hauptsortiment
    sommergrün
    zierende Winterstruktur
    Felssteppen
    Steppen
    Gehölzrand/Staudenfluren