Morus alba // Weißer Maulbeerbaum
Beschreibung
Naturstandort/Herkunft von Morus alba
Der Weiße Maulbeerbaum stammt ursprünglich aus Zentral-Asien und China. Er wird hier seit 4.000 Jahren kultiviert und wurde möglicherweise schon in der Antike, spätestens jedoch im frühen Mittelalter mit der Seidenraupenzucht nach Süd-Europa eingeführt.
Heute ist er mit Ausnahme Australiens und Ozeaniens auf allen Kontinenten in den warm-gemäßigten bis subtropischen Regionen eingebürgert.

Im Umfeld historischer Gebäude findet man gelegentlich sehr alte Exemplare von Morus alba.
Unter Friedrich dem Großen wurden in Preußen ab Mitte des 18. Jahrhunderts zahlreiche Maulbeerbaum-Alleen zur Förderung der Seidenproduktion angelegt, von denen einige wenige Exemplare noch heute stehen. In Deutschland gilt Morus alba als Neophyt und hat seine Vorkommensschwerpunkte in den mitteldeutschen Wärmeregionen bis in das östliche Brandenburg. In der Schweiz ist er v.a. im Tessin häufiger anzutreffen.
Im Gegensatz zu seinem Nahrungsbaum hat es der Maulbeerspinner nicht geschafft, sich in Europa zu etablieren. Es werden nämlich nur über die Jahrtausende veränderte Zuchtformen eingesetzt, die erheblich größer als die mittlerweile ausgestorbene Wildform werden und dadurch flugunfähig sind.
Die kalkliebende Morus alba besiedelt (voll-)sonnige, wärmebegünstigte Waldränder und Gebüsche auf trockenen bis frischen, skelettreich-durchlässigen Sand- oder Lehmböden. Die oft humusarmen Substrate sind alkalisch bis schwach sauer und stickstoffarm bis mäßig stickstoffreich.
Bevorzugt werden tiefgründige Böden, da auf flachgründigen Standorten die Trockenheitsresistenz leidet.

Vereinzelt sieht man aber auch entlang von Landstraßen Weiße Maulbeeren.
Beschreibung
Morus alba ist ein sommergrüner, 10 (12) m hoher und 8 (10) m breiter Kleinbaum mit kurzem Stamm. Im Alter entwickelt die trägwüchsige Art einen knorrigen Habitus.
Die mehr oder weniger kahlen Blätter sind variabel gelappt und können an ein und demselben Exemplar unterschiedliche Formen aufweisen. Die Blätter von Morus nigra sind dagegen mehr oder weniger dicht behaart. Das Herbstlaub verfärbt sich recht zierend gelblich.
Die gelblich-grünen, walzenförmigen Blüten-Ähren erscheinen im Mai/Juni, sind aber recht unauffällig.
Die brombeerartigen Früchte sind meist weiß, mitunter aber auch rosa bis dunkel-purpur. Sie sind ohne besondere geschmackliche Tiefe süßlich, allerdings frisch nicht lager- oder transportfähig.
In Süd-Ost-Europa und Vorderasien werden die Früchte roh oder getrocknet verzehrt oder zu Marmeladen verarbeitet. Besser zum Verzehr geeignet sind aber die Früchte des wärmebedürftigeren Schwarzen Maulbeerbaumes. Dunkelfrüchtige Exemplare des Weißen Maulbeerbaumes werden gerne verwechselt.
Verwendungshinweise
Der Weiße Maulbeerbaum ist mit kulturhistorischer Bedeutung aufgeladen und in jedem geräumigen Bauern- und Klostergarten eine gute Alternative.
Aufgrund des niedrigen Kronenansatzes ist zu bedenken, dass ihm viel Platz eingeräumt werden muss. In beengten Verhältnissen, in denen sich langfristig keine Solitärstellung erhalten lässt, kommt er nicht zur Geltung. Allerdings ist er schnittverträglich und kann so relativ kompakt gehalten werden.
Er wirkt insbesondere im Umfeld historischer Bausubstanz sehr stimmig. Dann kann er sogar innerstädtisch an Vorplätzen eingesetzt werden, generell ist er aber stark mit ländlichen Situationen assoziiert. Hier "stören" auch die Früchte weniger, die v.a. in den roten Varianten "Blutflecken" auf Pflasterflächen hinterlassen. Es gibt allerdings auch fruchtlose Sorten (s.u.).
Im Zuger der Erderwärmung ist zumindest in ausgesprochenen Warmlagen mittlerweile der Schwarze Maulbeerbaum mit den schmackhafteren Früchten und dem noch deutlich malerischeren Wuchs in der Regel zu bevorzugen.

Die Herbstfärbung setzt bereits ab Mitte September ein.
Kultur/Pflege von Morus alba
An die Kulturbedingungen stellt Morus alba geringe Ansprüche und gedeiht an möglichst warmen, vor winterlichen Nord-Ost-Winden geschützten Standorten willig.
Nach der Etablierung kommt der Weiße Maulbeerbaum auch auf leichten Böden ohne Bewässerung über mitteleuropäische Sommer. In trockenen Sommern kann es dann aber zum Ernteausfall kommen, weil die Früchte vor der Fruchtreife abfallen. Staunässe und zu saure Böden behagen ihm dagegen nicht.
Auf stickstoffreichen Böden neigen insbesondere junge Exemplare zu mastigen Trieben, die nicht genügend ausreifen und dann Frostschäden davontragen.
Will man Maulbeeren kleinformatiger halten, kann Ende Juni/Anfang Juli die Jahrestriebe einkürzen. Zu dieser Zeit abgenommene Neutriebe bewurzeln sich zuverlässig.

'Pendula' bildet kleine, bizarr-malerische Baumstrukturen.
Sorten:
Fruitless: ohne Fruchtansatz
Laciniata: tief geschlitzte Blätter
Mapleleaf: ohne fruchtansatz, konstant tief gelappte Blätter
Nana: 3/2 m hoch/breit, Habitus wie der Typ (handelsüblich), oft auf hochstämmige Unterlage veredelt
Pendula: 5/4 m hoch/breit, schwachwüchsig, kurzer Stamm mit ausgeprägt hängenden Ästen und Zweigen (handelsüblich)
Pyramidalis: säulenartiger Wuchs, weißliche Früchte
Urbana: wie "Pendula", ohne Fruchtansatz
Fruchtsorten (meist veredelt)
Christoph Späth: weiße Früchte, ausgeprägt strauchiger Wuchs
Illinois Everbearing: Hybride mit Morus rubra, rötliche Früchte, sehr aromatisch-süßlich, reicher Fruchtansatz über gut drei Monate hinweg
Issay: rot-schwarze, aromatische Früchte, trägwüchsig aber hoher Fruchtansatz
Loud Georgus: rot-schwarze, aromatische Früchte, ausgeprägt strauchiger Wuchs, reich tragend
Multicaulis: zur Reife rot-schwarze Früchte, ausgeprägt strauchiger Wuchs
Weiße Sofia: weiße Früchte, fällt samenecht aus
White Berry: weiße Früchte
Alte Maulbeerbäume bilden knorrige Stämme aus.