Cynara cardunculus // Wilde Artischocke

Familie Asteraceae, Korbblütler
Pflanzen pro qm 4.00
Wikipedia Cynara cardunculus
Verbreitungskarte Verbreitungskarte

Beschreibung

Naturstandort von Cynara cardunculus

Die Wilde Artischocke ist ursprünglich westlich-mediterran verbreitet, heute jedoch in subtropischen Klimaten weltweit eingebürgert. Auch in wintermilden Regionen wie Groß-Britannien kommt die Art neophytisch vor.

Sie besiedelt kurzlebige Staudenfluren und als Sekundärstandorte Ruderalstellen urbaner Brachflächen oder Wegböschungen. Typischerweise stellt sie sich in Eselsdistel-Fluren ein. Die Wilde Artischocke kommt vorrangig auf sehr nahrhaften, trockenen bis mäßig trockenen, humus- und feinerdereichen Kalkschotterböden vor.

Bevorzugt werden eindeutig südexponierte, gerne vollsonnige Lagen.

Ökologische Zeigerwerte nach Tela Botanica  ... zur Legende
Licht (8)  Temperatur (9)  Kontinentalität (3)  Feuchte (2)  Reaktion (8)  Stickstoff (8)



Ideal entwickelter Bestand der Cardy-Artischocke, der hier mit über 250 cm Höhe sogar den Fenchel überragt

Beschreibung
Cynara cardunculus ist eine  bis 150 (200) cm hoch werdende Staude. Die sehr großen, im Winterhalbjahr silbrig-filzig behaarten Blätter bilden im ersten Sommer nach der Aussat eine wintergrüne Halbrosette, die im Frühling vergrünt.

Von Anfang Juli bis August des Folgejahres erheben sich an bis zu 200 cm lange, dicht beblätterten Stengeln die großen, strahlend blau-violetten Blütenköpfe. Die dunkel-bräunlichen Samenstände mit sind bis weit in den Frühling hinein strukturstabil und zierend. Die strohig-weißen Pappusfrüchte zeigen sich erst bei Auflösung des Samenstandes im Frühling. Wenn die lokale Meisen- und Distelfinken-Populationen die schmackhaften Samen einmal entdeckt haben, arbeiten sie jedoch unermüdlich am frühzeitigen Ende der Samenstände.



Die Gemüse-Artischocke ist trotz der enormen Blütenstände aufgrund der stärker geschlitzten Blätter eine weniger wuchtige Erscheinung.

Die Wilde Artischocke ist kurzlebig, oft stirbt sie bereits nach der ersten Blüte ab. Mitunter schafft sie es aber auch, im Herbst noch ein zweites Mal eine Rosette zu entwickeln, die im Folgejahr erneut zur Blüte kommt. Exemplare, die ihren zweiten Winter überstanden haben, entwickeln sich oft deutlich eindrucksvoller als nach ihrem ersten Winter.

Cynara cardunculus wird in zwei Kulturformen kultiviert. Von der Gemüse-Artischocke, die meist unter dem Synonym "Cynara scolymus" oder zutreffender "Cynara cardunculus f. scolymus" gehandelt wird, werden die jungen Blütenstände verwendet. Von der Wildform Cynara cardunculus ssp. flavescens("Cardy-Artischocke") dagegen die (gebleichten) Blattrippen. Die niedriger bleibende Gemüse-Artischocke gilt als etwas ausdauernder.



In etwas lockerem Stand kommt der architektonisch anmutende Aufbau der Artischocke zur Geltung.

Verwendungshinweise
Der einzigartige Blütenstand in Verbindung mit dem charakteristischen, über Winter silbrigen Laub rechtfertigt den aufgrund der Kurzlebigkeit erhöhten Pflegeaufwand.

Klassische Einsatzorte sind intensiv gärtnerisch betreute Bauern- und Klostergärten, ebenso gut aber auch mediterrane Staudenanlagen.

Seltener sieht man sie in naturalistischen, an natürlichen Ruderalfluren orientierten Arrangements. Sehr ansprechende und glaubhafte Begleiter wären hier z.B. die sehr überzeugende Illyrische Eselsdistel, die Ruthenische Kugeldistel, die Drüsenblättrige Kugeldistel, Gemeine Natternzunge, Durchwachsenblättriger Eppich oder auch die selten verwendete Wollige Thapsie.  




Ab dem Spätsommer verbleiben strukturstarke Erinnerungen an die sommerliche Pracht.

Kultur
Die Wilde Artischocke ist an geschützten, wintertrockenen Standorten bei Frühjahrspflanzung zumindest im ersten Winter durchaus ausreichend winterhart. Zu schaffen machen den gerne schon in wärmeren Phasen des Spätwinters austreibenden Blättern Spätfröste. In unglücklichen Fällen können diese sogar zum Totalverlust führen.

Die Art wird auf nährstoffreichen, mineralischen, nicht verdichteten Böden in vollsonniger Lage am eindrucksvollsten.



Im Spätsommer/Herbst werden die silbrigen Grundrosetten (neu) angelegt.

Kürzere, hochsommerliche Trockenphasen beeindrucken sie nicht mehr, überzeugender wird sie aber ohne nennenswerten Trockenstress in der Entwicklungsphase, die bis zum Hochsommer reicht. Im natürlichen Verbreitungsgebiet findet sie sich typischerweise zwar auf trockenen Standorten ein, etabliert sich hier aber auch aus Samen. Gepflanzte Exemplare kümmern dagegen unter Trockenstress.

Selbstversamung findet in Mitteleuropa nur in Ausnahmefällen in extremen Warmlagen statt. Soll sie dauerhaft kultiviert werden, muss entsprechend vorkultiviert werden. Die Keimung erfolgt willig und innerhalb von 1-2 Wochen bei 16-20 Grad, danach wird kühler weiterkultiviert.

Konsequente Ästheten beseitigen im Herbst die absterbenden Stengelblätter und lassen die Samenstände so ungestört zur Geltung kommen.

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Der Frühlingsaustrieb dieser Cardy-Artischocken im zweiten Standjahr lässt auf große Ereignisse hoffen.

Sorten:
  • ssp. flavescens: Wildform 90 -160 (200)cm hoch, kleinere Blütenstände, essbare Mittelrippen der Blätter
  • f. scolymus: 70 bis 140 cm hoch, sehr große, fleischige Blütenstände
  • f. scolymus 'Green Globe': 60-120 cm hoch, Auslese mit besonders großen, steifen Blütenständen, beliebt auch in der Floristik
  • Tavor: Auslese mit besonders großen, steifen Blütenständen, beliebt in der Floristik
  • Bilder





















    Gemüse-Artischocke



    Gemüse-Artischocke


















    Attribute

    Lebensform Stauden/Gräser/Farne Blütenfarbe Blütezeit Blattfärbung
    zweijährig
    Blütenstauden/-Kräuter
    horstartig
    100-150 cm Höhe
    violett
    blau
    Juli
    August
    grau-grün
    silbrig
    Zierwert Frucht Geniessbarkeit/Giftwirkung Duft Wasserhaushalt Lichtansprüche
    zierend/strukturstark
    ungiftig
    essbar
    unbedeutend
    frisch
    gut drainiert
    vollsonnig
    sonnig
    Bodenansprüche Nährstoffversorgung (N + P) Klima/Frostsicherheit Herkunft BEWERTUNGEN
    stark kalk-/basenreich
    mäßig kalk-/basenreich
    ph-neutral
    durchlässiger Lehm
    humos
    poröser Schotter
    keine Bodenverdichtung
    kalk-/basenreich
    mittlere Böden
    reiche Böden
    sehr reiche Böden
    frostfreie Lage
    sehr wintermilde Lage
    frostarme Lage
    ausgeprägte Warmlage
    hitzeanfällige Lage
    subtropische Klimate
    wintermilde Lage
    Warmlagen
    Europa
    Südeuropa
    Süd-Osteuropa
    mediterraner Schwerpunkt
    Asien
    Kleinasien
    Vord. Orient
    Afrika
    Nordafrika
    sehr gut
    Hoch
    strukturbildender Gruppen-Solitär
    verträglich
    Einsatzbereich Handelsgängigkeit Belaubung Lebensbereich
    Ländlicher Garten
    Mediterraner Garten
    Repräsentative Gärten
    Steppenpflanzung
    Klostergarten
    Rabatte
    Insektenweide
    Hauptsortiment
    zierende Winterstruktur
    winter-/immergrün
    Felssteppen
    Gehölzrand/Staudenfluren