Asplenium scolopendrium (Phyllitis scolopendrium) / Hirschzunge

Asplenium_scolopendrium_hirschzunge_16 Familie Aspleniaceae, Streifenfarngewächse
Pflanzen pro qm 10.00
Wikipedia Asplenium scolopendrium (Phyllitis scolopendrium)
Verbreitungskarte Verbreitungskarte

Beschreibung

Naturstandort von Asplenium scolopendrium

Die Hirschzunge kommt in drei Unterarten in den gemäßigten Zonen von Nordamerika, Europa und Asien vor.

Im süd-westlichen Europa und auf den britischen Inseln ist die Art deutlich häufiger und die Vorkommen dünnen nach Nord-Osten stetig aus. In Deutschland konzentriert sich die Art in den süd-westdeutschen Mittelgebirgen und den vorgelagerten Hügelländern (Karte der europäischen Verbreitung).



In den Subtropen wie hier am Gardasee findet man mitunter ausgesprochen prächtige Exemplare der Hirschzunge.

Die Hirschzunge ist eine Charakterart mehr oder weniger festgelegter, frischer bis sickerfeuchter Laubwälder über Blockschutthalden in Nord-Expositionen und kommt zudem stetig in Eschen-Ahorn-Schluchtwäldern vor.

Sie besiedelt bevorzugt Fels- und Mauerspalten in schattigen bis licht absonnigen Lagen auf basenreichen Kalkgesteinen mit höchstens mäßiger Stickstoffversorgung.

Ökologische Zeigerwerte nach ELLENBERG (1992)   ... zur Legende
Licht (4)  Temperatur (5)  Kontinentalität (2)  Feuchte (5)  Reaktion (8)  Stickstoff (4)

Die Hirschzunge (Asplenium scolopendrium) ist unser urtümlichster heimischer Farn.

Im Frühling lösen die hoch aufschießenden Jung-Wedel die vom Winter niedergedrückten Alt-Wedel ab.

Beschreibung

Asplenium scolopendrium ist ein wintergrüner, horstiger Farn mit ganzrandigen Blattwedeln. Er erreicht Wuchshöhen von 40 bis 60 cm. Das Laub des Vorjahres legt sich im Winter unter Schneelast nieder und beginnt mit dem Neuaustrieb langsam zu vergehen.

Die Wedel sind glänzend grün bis hell-grün und derb. Die Art ist allerdings sehr variabel und bringt eine Vielzahl von Spielarten hervor (s.u.). Wildformen können in den ersten Jahren ebenfalls Wedel mit gekrausten Blatträndern hervorbringen. Dies gibt sich aber mit zunehmendem Alter.

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Hirschzungen mit Baumfarnen in exotischer Urwalddatmosphäre

Verwendungshinweise

Asplenium scolopendrium ist ein sehr schöner, urig-exotisch wirkender Blattschmuck-Farn für eine Vielzahl schattiger Standorte.

Die Hirschzunge gedeiht im wetterseitigen Schatten von Mauern und in frischen bis sickerfeuchten Stellen von Alpinarien und mediterranen Anlagen.

Ansprechend ist er v.a. in Verbindung mit niedrigeren bis mittelhohen, wintergrünen Waldgräsern. Hier entwickeln sich ganzjährig unaufdringlich-interessant strukturierte Laubtexturen. Man kann sich auch gut an natürlichen, feucht-schattigen Schluchtwäldern orientieren. Neben anderen schattenverträglichen Farnen wie dem wintergrünen Polystichum setiferum prägen v.a. Frühlingsgeophyten wie der gleichsam urige Arum maculatum, Corydalis cava oder die beliebte Leucojum vernum das Bild. Es folgen Galium odoratum und noch später Aruncus dioicus.

Nach dem Winter liegen die Blätter durch die Schneelast auf dem Boden, erst der urige, fast tropisch anmutende Neuaustrieb stellt den aufstrebenden, frisch-grünen Habitus wieder her.

Asplenium scolopendrium wird schon seit dem Mittelalter als "Zauberpflanze" kultiviert, es gibt eine Vielzahl von Auslesen, die sich überwiegend durch gekräuselte Blattränder auszeichnen. Diese Gartenformen sind nur in artifiziellen/architektonischen Zusammenhängen der Art vorzuziehen.



'Angustifolium' bereichert das Angebot mit gewellten Wedeln.

Kultur

Nach der Etablierungsphase ist die Hirschzunge unter geeigneten Bedingungen recht pflegeleicht und kann sich gegen Konkurrenzstauden aufgrund der guten Schattenverträglichkeit auch auf nahrhafteren Böden gut behaupten. Hier entwickelt sich die Hirschzunge sogar besonders prächtig. Kalkreiche Substrate sind hierfür nicht zwingend erforderlich, auf sauren Sandböden kümmert sie jedoch.

Kurze Trockenphasen werden mehr oder weniger schadlos überstanden. Die Wedel erschlaffen zwar, erholen sich aber wieder. Ohne jeden Trockenstress ist die Vitalität allerdings höher. Direkter Wurzeldruck von Großgehölzen erfordert regelmäßige Bewässerung.

Die Hirschzunge sollte im Winter möglichst nicht direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden und generell windgeschützt stehen, um im Sommer die Luftfeuchtigkeit besser halten zu können und im Winter die Wirkung des Frostes nicht noch zu verstärken.



Asplenium scolopendrium 'Japonicum' bietet mit maigrünen, steif-aufrechten Wedel ein eigenständiges Erscheinungsbild.

Sorten:

Ende des 19. Jahrhunderts war die Hirschzunge der Star während der in Großbrittannien grassierenden Farn-Euphorie. Die variable, mutationsfreudige Art wurde in 400 bis 700 Sorten kultiviert. Das europäische Festland erreichten schon damals nur die Wenigsten und heute werden höchstens eine handvoll noch gehandelt. An die klare Eleganz der Wildform kommt aber keine der mehr oder weniger artifiziellen Auslesen heran.

  • Angustatum: mit auffällig schmaleren Wedeln als die Art, leicht gewellte, etwas eingeschnittene Blattränder, recht eleganter Habitus (mehrere Untersorten)
  • Angustifolium: etwas schmalere, am Rand etwas eingeschnittene, insgesamt deutlich gewellte Wedel
  • Crispum: mit gekräuselten Blatträndern, etwas schmalere Wedel, stärker hell-grüne Färbung und steril (mehrere Untersorten)
  • Cristatum: im vorderen Drittel auffällig gelappte und zerfaserte Wedel (mehrere Untersorten)
  • Japonicum: gelblich-grüne, steif-ledrige Wedel
  • Undulatum: mit gewellten Blatträndern, dichtwüchsiger als die Art, etwas ledrige Blattstruktur (Sortengruppe)

Bilder





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Spätwinter-Aspekt


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Angustatum


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Angustifolium


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Angustifolium


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Crispum (Spätwinter)


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Japonicum


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Japonicum

Attribute

Lebensform Stauden/Gräser/Farne Blattfärbung Geniessbarkeit/Giftwirkung Duft
Staude
Farn
horstartig
30-60 cm Höhe
grün
hellgrün
ungiftig
unbedeutend
Wasserhaushalt Lichtansprüche Bodenansprüche Nährstoffversorgung (N + P) Klima/Frostsicherheit
frisch
feucht
halbschattig
sommerlich schattig
absonnig
stark kalk-/basenreich
mäßig kalk-/basenreich
ph-neutral
kalkarm, leicht sauer
durchlässiger Lehm
Lehm
humos
poröser Schotter
starker Wurzeldruck
kalk-/basenreich
arme Böden
mittlere Böden
reiche Böden
luftfeuchte und/oder kühle Lagen
gemäßigte Klimate
subtropische Klimate
wintermilde Lage
Herkunft BEWERTUNGEN Alpine Felsfluren Wälder Einsatzbereich
Europa
Ozeanischer Verbreitungsschwerpunkt
Mittelgebirge (montan)
Nordeuropa
Mitteleuropa
Südeuropa
Süd-Osteuropa
mediterraner Schwerpunkt
Hügelland (collin)
Asien
Afrika
Nordafrika
Amerika
Nordamerika
sehr gut
Mittel
Gruppen-Verbands-Pflanze
verträglich
Kalk
Blockschutthalden-Wälder
Ländlicher Garten
Mediterraner Garten
Terrassen-/Balkongarten
Repräsentative Gärten
Steingarten/Alpinum
Waldgarten
für Pflanzgefäße geeignet
Klostergarten
öffentliches Grün
Grünanlagen hoher Pflegestufe
Handelsgängigkeit Belaubung Lebensbereich
Hauptsortiment
winter-/immergrün
Gehölz/Wald