Artemisia absinthium // Wermut

Familie Asteraceae, Korbblütler
Pflanzen pro qm 3.00
Wikipedia Artemisia absinthium
Verbreitungskarte Verbreitungskarte

Beschreibung

Naturstandort von Artemisia absinthium (Wermut): Artemisia absinthium stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum, vom Balkan, aus Kleinasien bis zum Kaukasus und Vorderasien. Der Wermut ist in Mitteleuropa als alte Heil- und Kräuterpflanze als Archaeophyt verbreitet eingebürgert (Karte der europäischen Verbreitung).

In weiten Teilen Nord- und Südamerikas, Asiens und Australiens gilt die Art als eingebürgerter Neophyt (Karte der Gesamtverbreitung).

In Deutschland gilt der Wermut als eingebürgerter Neophyt. Die wärmeliebende Art hat einen auffälligen Verbreitungsschwerpunkt in der ostdeutschen Tiefebene und ist ansonsten nur zerstreut anzutreffen.

Der Wermut ist eine Charakterart der Eselsdistel-Gesellschaften und der halbruderalen Halbtrockenrasen. Typische Habitate sind wechseltrockene, südexponierte Böschungen und Ackerränder auf Lehmböden mit guter stickstoff- und basenversorgung.

Die Standorte sind wärmebegünstigt, vollsonnig und mäßig trocken bis frisch. 

Ökologische Zeigerwerte nach ELLENBERG (1992)   ... zur Legende
Licht (9)  Temperatur (6)  Kontinentalität (7)  Feuchte (4)  Reaktion (7)  Stickstoff (8)



Blühender Wermut am Weges- und Ackerrand zusammen mit Rainfarn in einer ruderalen Staudenflur.

Beschreibung

Artemisia absinthium ist eine sommergrüne, horstige Staude bzw. Halbstrauch mit verholzender Basis. Nach milden Wintern treibt sie strauchartig aus dem vorjährigen Holz aus. Sie erreicht Wuchshöhen von 60 bis 100 cm.

Das gefiederte Laub ist silbrig-grau-grün, in Auslesen auch silbrig. Ohne nennenswerte Frosteinwirkung bleiben die Pflanzen wintergrün. Erst bei längeren Frostpahsen von weniger als vier bis fünf Grad Minus fallen die Blätter.

Die grünlich-gelbe Blüte im Juli/August ist unscheinbar, die blühenden Triebe erinnern durch ihre kleinen, mehr oder weniger ganzrandigen Blätter eher an Geißfüße und tendieren daher etwas zu einem "Unkraut-Habitus".

Die gesamte Pflanze duftet stark aromatisch. Aus den Blättern ud den oberen Stengelabschnitten werden Tinkturen, Presssäfte oder Tees zubereitet. Sie werden eingesetzt bei Magen-Darm-Beschwerden - oder sozusagen vorsorglich als Gewürz für fettige Fleischgerichte.

Wermut ist außerdem das Hauptgewürz für den - weitgehend zu Unrecht berüchtigten - Absinth-Bitter-Likör. Herstellung und Konsum von Absinth war Anfang des 20. Jahrunderts verboten worden, ist heute aber unter Einhaltung von Grenzwerten für den Wirkstoff Thujon wieder zugelassen.



Interessanter Vorgarten mit Anklängen an eine Ruderal-Vegetation: 'Lambrock Silver', Garten-Feinstrahl, Seidige Königskerze, Woll-Ziest, Fenchel, Banater Kugeldistel

Verwendungshinweise

Wermut verbreitet eine warme Atmosphäre und stellt eine gute, unaufdringliche Bereicherung in naturhaften oder ländlichen Staudensäumen dar, vor deren Hintergrund Blütenstauden sehr gut zur Geltung gelangen.

Die farbstärkere, kompaktere Auslese "Lambrock-Silver" ist der Wildform fast immer zu bevorzugen. Letztere hat v.a. auf nahrhaften Standorten ohne gelegentlichen Trockenstress ab Ende Juni einen ungepflegten Habitus. Hier schafft allerdings ein Rückschnitt alle paar Wochen für Abhilfe und auch der Auslese 'Lambrook Silver' gereichen gelegentliche Schnittmaßnahmen optisch zum Vorteil.

Das Steppen-/Kiesgartenthema erfährt mit dem Wermut eine apartet Interpretation, auch wenn er keine eigentliche Steppenart ist. Allerdings kommt eine Kombination zumindest der Wildform nur mit kräftigen, mittelhohen bis hohen Stauden und Gräsern in Frage. Schöne, gleichzeitig unaufdringliche Farbkontraste ergeben sich mit der braunlaubigen Form des Fenchels Foeniculum vulgare 'Rubrum'.

Häufiger und ebenso effektvoll wird Wermut aber als Gerüstbildner in kleineren, sich wiederholenden Gruppen als fast ganzjährig prägendes Element eingesetzt. In konventionellen Rabatten kann unter Umständen ein etwas gewollter, altbackener Eindruck entstehen.

Als alte Gewürz- und Heilpflanze ist sie auch in Kloster- und Bauerngärten eine wichtige Option. Ihr wird allerdings nachgesagt, durch Wurzelausscheidungen negativ auf das Gedeihen benachbarter Pflanzen Einfluss nehmen zu können. Sollte also eine Nachbarpflanze kümmern, ist sie vermutlich der falsche Partner für den Wermut.

Der Wermut kann auch in größeren Gefäßen auf nicht zu kleinen Balkonen und Terrassen eingesetzt werden. Sehr interessant ist er v.a. in großen Gefäßen in Mischkultur mit anderen Stauden und Gräsern.



Um das Erscheinungsbild des Wermuts muss man sich immer mal wieder kümmern, andernfalls kommen rasch Zweifel am gärtnerischen Willen auf.

Kultur

Auf stickstoffreichen und gleichzeitig dauerhaft frischen Böden neigt v.a. die Wildform zum mastigen, lagernden Wuchs und verfehlt ihre Wirkung. Nur bei gelegentlichem Trockenstress schon während des Austriebes im April/Mai bleibt der Wuchs einigermaßen kompakt und die Blattfärbung silbrig-grün.

Die Standorte sollten daher skelettreich-durchlässig und unbedingt (voll)-sonnig sein. Im ersten Jahr nach der Pflanzung ist es für die Etablierung dann aber vorteilhaft, wenn längere Trockenphasen mit Bewässerung überbrückt werden können. 

Förderlich für das Wuchsbild ist es generell, mehrfach während der Wuchsperiode Rückschnitte vorzunehmen. Auch sehr tiefe Rückschnitte werden dabei nicht übel genommen. Bleibt dabei die Blüte aus, ist das ästhetisch kein Verlust. Das Laub bleibt dadurch im Herbst länger erhalten und  die eher unstrukturierten Blütenständen sind ohnehin kein glücklicher Anblick.

Die Art ist ansonsten sehr robust und benötigt nach der Etablierung keine gärtnerische Unterstützung.

Der Wermut versamt sich in der Regel willig selbst. Man kann aber nicht sagen, dass er dabei wirklich lästig würde, da sich die Sämlinge unter Konkurrenzdruck kräftiger Begleitstauden selten durchsetzen können.

Es lassen sich aber auch leicht im Sommer Kopf-Stecklinge zur Bewurzelung bringen. Außerdem bewurzeln sich niederliegende Triebe bei Bodenkontakt zuverlässig.



'Silver Frost' ist auch ohne ständige Schnitt-Interventionen über ästhetische Zweifel erhaben.

Sorten:

Bei den Zuordnungen der Sorten scheint es große Unsicherheiten zu geben. Im Handel sind zudem nur 'Lambrock Mist' und 'Lambrock Silver' sicher erhältlich. Der Unterschied zwischen diesen beiden ist dabei eindeutig zu vernachlässigen.

  • Huntington: 100 cm hoch, silbrig-graues, fein geteiltes Laub mit wenig Grünanteil, kaum im Handel
  • Lambrock Mist: 70-80 cm hoch, 80 cm hoch, breit-buschiger Wuchs, grünlich-graues Laub, etwas stärker geteilt als bei der Wildart
  • Lambrook Silver: 80 cm hoch, breit-buschiger Wuchs, grünlich-graues Laub, etwas stärker geteilt als bei der Wildart
  • Silverado: 60 cm hoch, kompakt-standfester Wuchs, silbrig-grau-grünes Laub, etwas feiner geteilt als die Wildart
  • Silver Frost: 40-50 cm hoch, silbrig-graues, fein geteiltes Laub mit wenig Grünanteil, keine oder nur schwache Blüte, kaum im Handel
  • Variegata: 80 cm hoch, grau-grün mit weißen Sprenkeln, praktisch nicht im Handel
  • Bilder















    Triebspitze mit Knospenansatz












    Attribute

    Lebensform Stauden/Gräser/Farne Blattfärbung Geniessbarkeit/Giftwirkung Duft
    Staude
    Blütenstauden/-Kräuter
    horstartig
    60-100 cm Höhe
    grau-grün
    silbrig
    giftig
    Heil-/Gewürzpflanze
    ausgeprägt
    Wasserhaushalt Lichtansprüche Bodenansprüche Nährstoffversorgung (N + P) Klima/Frostsicherheit
    mäßig trocken
    frisch
    gut drainiert
    sommertrocken
    vollsonnig
    sonnig
    mäßig kalk-/basenreich
    ph-neutral
    kalkarm, leicht sauer
    (lehmiger/humoser) Sand
    durchlässiger Lehm
    Lehm
    poröser Schotter
    keine Bodenverdichtung
    kalk-/basenreich
    mittlere Böden
    reiche Böden
    sehr reiche Böden
    sehr wintermilde Lage
    Normal- bis winterrauhe Lage
    frostarme Lage
    ausgeprägte Warmlage
    hitzeanfällige Lage
    gemäßigte Klimate
    wintermilde Lage
    Warmlagen
    Herkunft BEWERTUNGEN Staudenfluren Einsatzbereich Handelsgängigkeit
    Europa
    Kontinentaler Verbreitungsschwerpunkt
    Tiefland
    Mittelgebirge (montan)
    Mitteleuropa
    Südeuropa
    Süd-Osteuropa
    Osteuropa/Kaukasus
    Hügelland (collin)
    Asien
    Zentral-Asien
    Kleinasien
    Vord. Orient
    gut
    Gering
    strukturbildender Gruppen-Solitär
    strukturbildende Matrixpflanze
    verträglich
    Staudenfluren frischer, nährstoffreicher Standorte
    Staudenfluren trockenwarmer Standorte
    Ländlicher Garten
    Mediterraner Garten
    Terrassen-/Balkongarten
    Repräsentative Gärten
    Steppenpflanzung
    für Pflanzgefäße geeignet
    Klostergarten
    öffentliches Grün
    Grünanlagen geringer Pflegestufe
    Grünanlagen hoher Pflegestufe
    Rabatte
    Hauptsortiment
    Belaubung Lebensbereich
    sommergrün
    Felssteppen
    Steppen
    Gehölzrand/Staudenfluren